Perrotta, Die Verlassenen

"Wo sind all die Menschen hin?" Eigentlich hätten sich diese Frage auch die Deutschen vor 75 Jahren stellen können. Doch hier sind wir nicht (nur) in Deutschland. Hier tritt plötzlich die Apokalypse ein und Millionen Menschen verschwinden unerklärlich von der Erde. Wie gehen die Zurückgelassenen, die "Leftovers" mit der veränderten Welt um, in der ihnen plötzlich Freunde, Nachbarn, Verwandte und Geliebte fehlen? Das Leben geht dennoch gnadenlos weiter. Der jetzt auf Deutsch erschienene Bestseller von Tom Perrotta diente als Vorlage der HBO-TV-Serie The Leftovers, die Damon Lindelof (Lost) verfilmt hat.

In dem Buch müssen sich die ratlosen Einwohner des beschaulichen Vororts Mapleton den Fragen stellen, was wäre, wenn einige von ihnen – einfach so, ohne Erklärung – verschwinden.

Würden die Zurückgebliebenen an das Jüngste Gericht, an die Entrückung glauben? Würden sie den Verstand verlieren? Oder würden sie einfach so weitermachen, als wäre nichts geschehen? Auch Kevin Garvey will wieder Ordnung in sein Leben bringen, obwohl das Phänomen, das inzwischen als »Plötzlicher Fortgang« bezeichnet wird, seine Familie zerstört hat: Seine Frau Laurie hat sich einem Kult angeschlossen, der sich »Der Schuldige Rest« nennt, sein Sohn hat das College abgebrochen, um einem zwielichtigen »Propheten« namens Holy Wayne und seiner Bewegung der »Heilenden Umarmung« nachzufolgen. Nur Kevins Tochter ist bei ihm geblieben, doch der Teenager kapselt sich seit jenem 14. Oktober zunehmend ab und verliert den Bezug zur Realität.

(c) Magazin Frankfurt, 2020