Auf Kastaniensuche nach Meran

Törggelen hat Tradition in ganz Südtriol. Wenn der neue Wein da ist, die Kastanien reif sind, trifft man sich zum gemütlichen Zusammensitzen und probieren. „Keschtnriggl“ – so nennt man im Meraner Land nicht nur das Gerät zum Schälen der stacheligen Frucht, sondern auch die Kastanientage in Tisens und Völlan. Bei Törggelefesten, herbstlichen Wanderungen und kulinarischen Köstlichkeiten steht im Oktober die Kastanie im Mittelpunkt. Wie die grünen Almwiesen, die imposanten Berggipfel und das mediterrane Klima, so sind auch die uralten Kastanienhaine prägend für diesen Teil der Südtiroler Landschaft. Wenn im Herbst die Edelkastanien reif sind, feiert man in Meran und Umgebung die Ernte der „Keschtn“ mit kulinarischen und kulturellen Festlichkeiten und herbstlichen Wanderungen.

Im Rahmen der Kastanienwochen können auch Hobbyköche in speziellen Kochkursen mehr über die Zubereitung von Kastaniengerichten lernen und in den Restaurants und Buschenschenken der Region serviert man kulinarische Köstlichkeiten rund um die braune Frucht. So auch im Restaurant „Zum Löwen“ in Tisens. Anna Matscher, die einzige Sterneköchin Südtirols, empfiehlt Schlutzkrapfen mit Kastanienfüllung und Ziegenkäsesoße.

Zur Kastanienzeit sind Wanderungen ein besonderes Erlebnis: leuchtend gelbe Kastanienhaine mit ihren beeindruckenden, gewundenen Baumstämmen und große Kastanien-Igel begleiten die Wanderer entlang der zahlreichen Wege der Ferienregion Meraner Land. Und der Duft gebratener Edelkastanien verleitet zu zahlreichen Törggelepausen. Besonders schön im Herbst ist der Marlinger Waalweg. Er verläuft von Töll bis nach Lana und ist von Kastanienhainen, Obst- und Weingärten gesäumt. Der Weg, an dem immer wieder Ruhebänke an besonders schönen Aussichtspunkten stehen und bei dem man unterwegs auch in verschiedenen Gasthöfen einkehren kann, wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Bewässerungskanal angelegt.

Zur Kastanienzeit hat die Ferienregion Meraner Land ein passendes Urlaubspaket geschnürt: „Der Duft von Blumen, Kastanien und Wein“. Neben sieben Übernachtungen sind im Preis auch der Fackelzug „Drei Burgen in einer Nacht“ und ein Besuch der Gärten von Schloss Trauttmansdorff inklusive Führung und Weinverkostung enthalten.

Die Kastanie in Südtirol

Im frühen Mittelalter war die Edelkastanie im südlichen Europa eine wichtige Nahrungspflanze. Karl der Große hat den Anbau von Kastanienbäumen Ende des 8. Jahrhunderts sogar explizit befohlen. Die Folge war, dass Bauern und Klöster viele Berggebiete mit Edelkastanien aufforsteten. Kastanien wurden zu dieser Zeit frisch und getrocknet, roh, gekocht oder geröstet verspeist oder zu Mehl verarbeitet. In den Gebieten, in denen kein Getreide angebaut werden konnte, intensivierte sich der Kastanienanbau im 11. bis 13. Jahrhundert. Kastanien wurden immer mehr das Brot der Armen. Die wichtigste Konservierungsmethode war damals das Trocknen, teilweise durch Räuchern. Im 12. Jahrhundert kam in der Lombardei das Wort Marroni auf, mit dem Kastanien der besten Qualität, groß, süß, schmackhaft und leicht zu schälen, bezeichnet wurden.

Heute gilt die Marone als Delikatesse und hat ihren festen Platz in der edlen Gastronomie – nicht nur in Südtiroler Küchen.

Schluzkrapfen mit Kastanienfüllung

Schlutzkrapfen mit Kastanienfüllung und Ziegenkäsesoße nach Anna Matscher

Zutaten

Für den Teig:
150 gr. Roggenmehl150 gr. Weizenmehl1 Ei, Salz1 Eßl. ÖlFür die Fülle:250 gr. passierte Kastanien2 Eigelb50 ml SahneSalzFür die Soße:50 gr. frischer Ziegenkäse100 ml SahneSalz.

Zubereitung

Für den Teig alle Zutaten zu einem geschmeidigen Teig kneten und in der Nylonfolie eine halbe Stunde rasten lassen. Für die Fülle die Kastanien und die restlichen Zutaten mischen. Für die Soße den Ziegenkäse mit der Sahne aufkochen, mit Salz abschmecken. Teig ausrollen, runde Kreise ausstechen (7cm), Kastanienmasse einfüllen und Halbmonde formen. In Salzwasser 5 Min. kochen und danach mit der Ziegenkäsesoße auf Tellern anrichten.

(c) Magazin Frankfurt, 2024