Grass, Ein weites Feld

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Grass, Ein weites Feld

(c) Steidl

Der spätere Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass kam 1927 in Danzig zur Welt Nach Einsätzen als Luftwaffenhelfer und im Reichsarbeitsdienst wurde er Ende 1944 mit 17 Jahren zur Panzer-Division der Waffen-SS einberufen und absolvierte nach der Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft erst eine Lehre als Steinmetz, bevor er Grafik und Bildhauerei in Düsseldorf und Berlin studierte. Obwohl er zeitlebens zeichnete und schon 1956 sein erster Gedichtband mit eigenen Zeichnungen und 1959 mit "Die Blechtrommel" sein erster Roman erschien, war es sein packender Schreibstil, der ihm 1999 den Nobelpreis einbrachte. Ab 1992 wurde der Göttinger Steidl-Verlag, der mit seinem Verleger Gerhard Steidl ein besonderes Verhältnis zum künstlerischen Druck pflegte und pflegt.

Der vorliegende Roman erschien erstmals 1995 bei Steidl und spielt in Berlin zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung, zeichnet aber ein Panorama deutscher Geschichte von der Revolution 1848 bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990. Das Buch versucht, die deutsche Wiedervereinigung auf literarische Weise zu verarbeiten. Der Titel erinnert nicht zu Unrecht an den Schlusssatz aus Fontanes "Effi Briest", das mit den Worten: „Ach Luise, laß … das ist ein zu weites Feld“ schließt. Das Buch war heftig umstritten und zeigte eine deutliche politische Orientierung. Grass gewann damit den Hans-Fallada-Preis. Binnen weniger Wochen war Steidl gezwungen mehrere Auflagen zu drucken.

An der durchlässig gewordenen Mauer entlang gehen zwei alte Männer, groß und hager der eine, klein und gedrungen der andere. Ein ungleiches, ein komisches Paar: der Bürobote Theo Wuttke, genannt »Fonty«, da er sich mit Fontane identifiziert, und sein »Tagundnachtschatten« Hoftaller, der ewige Spitzel, der sich an dem Tallhover aus dem gleichnamigen Buch von Hans Joachim Schädlich anlehnt. Beide leben Vorgängern nach, beiden ist Vergangenheit so nahe und gegenwärtig wie die sich überstürzenden Tagesereignisse – während einer jungen Französin auf ihre bezaubernde Art ganz neue Zukunftsperspektiven zu eröffnen scheint ...

Diese lebenspralle Romankonstellation schafft eine sinnenfrohe, von Brüchen und Widersprüchen lebende Fontane-Biographie und liefert ein Panorama deutscher Geschichte. Gültig wie vor einem Vierteljahrhundert mit frischen Festtagsreden zum »Aufschwung Ost«, Glockengeläut in »blühenden Landschaften« und Mein-Freund-ist-Ausländer-Kampagnen contra Alltagssorgen, Treuhandskandale und Fremdenfeindlichkeit. Neu zu entdecken, ein herausragender Roman von anhaltender Aktualität.

Günter Grass, Ein weites Feld, Steidl Verlag, Hardcover, 464 Seiten, ISBN 978-3958295865, 28 Euro

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(c) Magazin Frankfurt, 2019