Nayeri, Drei sind ein Dorf

Nayeri, Drei isnd ein Dorf

(c) Mare

Schon ihr Debüt "Ein Teelöffel Land und Meer", in der sie das junge Leben ihrer Protagonistin Saba erzählt, die mit ihren elf Jahren aus einer wohlhabenden christlichen Familie in die iranische Welt der islamischen Revolution geworfen wird und sich mit dem Rest der kleinen Familie auf die Ländereien am Kaspischen Meer zurückzieht, hat mich fasziniert und nicht mehr losgelassen. Auch ich hatte den Iran in den 70er Jahren kennengelernt und dabei die Friktionen bemerkt, die zwischen dem Zukunftsglauben des Shahs und der Menschen in Teheran und den fast noch mittelalterlich lebenden Menschen in der Provinz herrschten und die später das Land ins Chaos der Gottesdiener stürzten. Auch in ihrem neuen Buch schildert Dina Nayeri wieder das Schicksal einer jungen Frau, die im Iran geboren, ihrer Heimat den Rücken gekehrt hat. Jetzt ist Nilou knapp dreißig und hat alles erreicht. Wer hätte je geglaubt, dass sie eine Eliteuniversität besuchen, einen weltgewandten Juristen heiraten und ihre eigene Wissenschaftskarriere beginnen würde? Als Kind ist sie mit ihrer Mutter geflohen – und in der tiefsten amerikanischen Provinz gelandet, wo man sie nicht gerade offenherzig empfangen hat. Doch sie hat ehrgeizig nach den Idealen der westlichen Welt gestrebt und sich komplett neu erfunden.

Alles könnte also gut sein, wäre da nicht Nilous Vater, ein opiumsüchtiger Verehrer altpersischer Lyrik, der ihr vom Iran aus die Kluft vor Augen führt, die die Familie voneinander trennt. Als Nilou in Amsterdam auf eine Gruppe iranischer Exilanten trifft, mit ihnen kocht und ihren Erzählungen lauscht, erwacht eine alte Sehnsucht in ihr: nach einer Heimat, in der sie ganz einfach sie selbst sein darf.

Gekonnt schildert Nayeri dieses Gefühl von Heimatlosigkeit, von der Suche nach einem Zuhause, einem Zufluchtsort, der heute für Millionen von Menschen auf der Flucht alltäglich geworden ist. Ihr Vermögen diese Gefühle herüberzubringen ist ausgesprochen berührend und lässt den Leser nachdenklicher werden über den eigenen Umgang mit Flüchtlingen in einer Zeit, in der Flüchtlingsschiffe keinen Hafen mehr finden, der ihnen ihre menschliche Fracht abnehmen möchte, in der kleine Kinder in den USA von ihren Müttern getrennt werden und sterben und in der Pegida und AfD die politische Debatte mit ihren Schüren von Zuwanderungsängste vergiften. Nayeris neues Buch ist ein Appell an uns alle, Humanität zu zeigen. Erneut ein wundervoller Roman über Sehnsüchte und die Liebe, die beide so leicht verletzt werden können. MR

bei Amazon.de bestellen

(c) Magazin Frankfurt, 2019