Amis, Im Vulkan

Amis, Im Vulkan

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Mit unnachahmlicher Offenheit porträtiert der 69-jährige in Südwales als Sohn des Schriftstellers und Booker Prize Gewinners Kingsley Amis geborene englische Schriftsteller Martin Amis in seinen Essays Prominente wie Salman Rushdie, Madonna oder Donald Trump. Oft setzen sich die Werke des Enfant terrible der Literaturszene mit den Exzessen der spätkapitalistischen westlichen Gesellschaften auseinander. Einen Teil seiner Jugend verbrachte er in den USA. Mit 27 Jahren wurde er Redakteur der britischen Wochenzeitung New Statesman. Amis ist auch bekannt für seine kontroversen politischen Äußerungen. Absurdität überspitzt er häufig in grotesker Karikatur. Mit besonderer Leichtigkeit schreibt er über John Lennon, immer brillant über den Körper, vernichtend in seiner Ablehnung des Todes, seiner Sorgen und Erniedrigungen. Seine Stimme bekommt eine sentimentale Tiefe, wenn er von der Königsfamilie erzählt, er begleitet Tony Blair zu Angela Merkel, bezeugt das gleichzeitige Heranströmen von Flüchtlingen und Oktoberfestbesuchern in München, schreibt mit analytischer Schärfe über Madonna, nukleare Aufrüstung und den Krieg gegen das Klischee.

Der eine Generation später geborene 43-jährige Daniel Kehlmann ("Tyll") gehört nicht nur zu den meistgelesenen deutschen Gegenwartsautoren, sondern auch zu den Fans von Amis. Aus der reichen Fülle hat er für den Band die eindrücklichsten Essays ausgewählt und als Herausgeber mit einem Vorwort begleitet. Jeder Satz von Amis schnappt mit frischer und heftiger Genauigkeit zu, denn er besitzt die einzigartige Fähigkeit, den Leser mitzunehmen, als wären seine Essays Abenteuer, die man am besten zu zweit genießt. In seiner britischen Heimat ist Martin Amis auch weniger literaturbegeisterten Lesern der Klatschspalten bekannt, die sich mit seinem schwierigen Verhältnis zu seinem Vater auseinandersetzen, der sich nach einer von Martin Amis selbst verbreiteten Anekdote weigerte dessen erfolgreichsten Roman "Gierig" zu Ende zu lesen.


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(c) Magazin Frankfurt, 2018