Zeh, Neujahr

Juli Zeh hat einen neuen Roman geschrieben. Und wieder einmal ganz anders. Es ist eine psychologische Studie, ein Pageturner - vielleicht auch ein tiefgründiger Thriller. In Schnappatmung springt zwischen den hier und heute mit einer Lebenskrise eines Mannes und der Vergangenheit mit der Geschichte von zwei kleinen Kindern, die mitten im Ferienparadies in die Hölle geraten.

Die 44-jährige Rheinländerin Juli Zeh ist studierte Juristin und wurde als Schriftstellerin bereits mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Auch durch ihr entschlossenes gesellschaftlich-politisches Engagement, das sich auch in ihren journalistischen Beiträgen in Die Zeit und der FAZ ausdrückt ist sie in der Diskussion um unsere Demokratie stets präsent. Kein Wunder, denn aufgewachsen ist sie als Tochter des obersten Chefs der Bundestagsverwaltung. Ihr Jurastudium mit dem Schwerpunkt Völkerrecht führte sie von Passau nach Krakau, New York und Leipzig. Nach einem Praktikum bei der UNO schloss sie es mit einer Arbeit über das Recht der Europäischen Integration ab. Neben dem Tierschutz setzte sie sich 2005 auch für die Unterstützung der rot-grünen Koalition ein. Vergebens. Auch die NSA-Affäre und die Einführung des biometrischen Reisepasses riefen die streitbare Literatin und Juristin auf den Plan. Literarisch legte sie schon 2001 mit ihrem Debüt "Adler und Engel" einen Roman vor, der zum Welterfolg und zwischenzeitlich in 35 Sprachen übersetzt wurde.

Ihr neuer Roman führt den Leser auf die Kanareninsel Lanzarote, an einem Neujahrsmorgen. Der Göttinger Henning will mit dem Rad den Steilaufstieg nach Femés bezwingen. Ihm tun die Beine weh, denn seine Ausrüstung ist miserabel, die falschen Schuhe, die zum Joggen, aber nicht zur Radfahren taugen.

Proviant hat er ebenfalls nicht mitgenommen. Nur die Temperatur ist perfekt. Während er gegen den kühlenden Wind und die Steigung ankämpft, rekapituliert er seine Lebenssituation. Da ist eigentlich alles in Ordnung, denn die Kinder sind gesund und auch der Job ist passabel. Doch Henning fühlt sich überfordert als Ernährer der Familie, als Ehemann und als Vater – in keiner dieser Rollen findet er sich wirklich wieder. Dazu leidet er seit einiger Zeit auch noch unter Panikattacken, die ihn wie Dämonen heimsuchen. Trotz der miserablen Ausstattung schafft er es schließlich doch, völlig erschöpft den Pass zu erreichen. Ein Zufall führt ihn dann auf eine gedankliche Zeitreise in seine Kindheit und er durchlebt schlagartig wieder, was ihn einmal fast das Leben gekostet und bis heute geprägt hat.

In der atemberaubenden Geschichte von zwei kleinen Kindern, die mitten im Ferienparadies in die Hölle geraten geht es gleichfalls um die Krise eines Mannes, der zwischen ungeklärten Geschlechterrollen zerrieben wird. Und um die existenzielle Frage, ob unser Leben bereits in der Kindheit vorbestimmt wird oder ob wir selbst es sind, die über Glück oder Unglück entscheiden. Am 12. Oktober 2018 kommt die Autorin im Rahmen der Buchmesse zu einem Termin ins Frankfurter Schauspielhaus.

Das vollständige Hörbuch wird gelesen von dem Schauspieler Florian Lukas, der sich schon bald nach seinem Start am Theater einen Namen beim Film machte. "Goodbye, Lenin!" brachte ihm den Deutschen Filmpreis und einen Bambi. Im preisgekrönten Fernsehmehrteiler Weissensee spielte er die Hauptrolle

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(c) Magazin Frankfurt, 2018