Camilleri, Das Nest der Schlangen

Camilleri, Das Nest der Schlangen

(c) Lübbe

Ein heftiger Regenschauer reißt Commissario Montalbano aus einem wohligen Traum, in dem er mit seiner Verlobten Livia sorglos durch einen paradiesischen Wald wandelte. Auch im Kommissariat von Vigàta zeigt sich der Tag in aller Nüchternheit: Der angesehene Buchhalter Cosimo Barletta wurde tot in seiner Strandvilla aufgefunden. Die Ermittlungen lassen abgründige Familiengeheimnisse ahnen, und Montalbano fühlt sich schon bald an ein furioses Schlangennest erinnert ...

Über Andrea Camilleri muss man nicht viel erzählen. Bekannt geworden der inzwischen 93-jährige, der zu den meistgelesenen Autoren Italiens gehört, durch seine Bestsellerkrimis um den Commissario Salvo Montalbano, der in der fiktiven, nach Camilleris Geburtsort Porto Empedocle gestalteten Stadt Vigàta in Sizilien arbeitet. Aus Agrigento machte Camilleri die übergeordnete Provinzstadt Montelusa entspricht dem heutigen Agrigento. Heute wäre Montalbano eigentlich in Rente, denn Camilleri ließ ihm an seinem 25. Geburtstag im Jahr 1950 zur Welt kommen. Genießer begeistern sich bei den Büchern über Montalbanos Vorliebe für die sizilianische Küche und immer begleitet ein Glossar im Anhang den deutschen Leser zu den von ihm geschätzten Gerichten. Mit viel Instinkt für Details und Zusammenhänge kommt er der Lösung seiner Fälle näher, doch manchmal sind es auch spontane Reflexionen, die zu deren Aufklärung führen.

Über Montalbano spricht Camilleri gerne aktuelle Probleme Italiens an. Auch literarisch sind die Bände der Montalbano-Krimis oft mit Anspielungen versehen, die ihn zu einem Intellektuellen im Polizeidienst machen. Da ich eine Zeit in Italien gelebt habe, habe ich mir bei Reisen manchmal einen der Montalbano-Bände im Original besorgt. Gar nicht so leichte Kost, denn Camilleri hat sie im sizilianischen Dialekt geschrieben und einige Sätze der Gesprächspartner von Montalbano verstand ich nur nach und nach. 26 Krimis sind im letzten Vierteljahrhundert entstanden, wobei dies der 2013 entstandene Band 21 ist. Doch neben den Krimis zeigt Camilleris Werk hat noch eine ganze Reihe anderer Facetten. In vielen seiner Romane und Erzählungen beeindruckt er seine Leser mit historischen oder kriminalistischen Sujets. Außerdem hat er Gedichte und Essays verfasst und als Regisseur und Universitätsdozent gearbeitet. Fast immer präsent ist dabei ein verbindendes Element: Camilleris Heimat Sizilien. Auch wenn er in Rom lebt, ist der dreifache Vater seinen sizilianischen Wurzeln stets treu geblieben und holt sich Inspirationen auch auf Spaziergängen durch seinen Zweitwohnsitz Porto Empedocle, den man 2011 sogar schon einmal in Vigàta umbenennen wollte. NB

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(c) Magazin Frankfurt, 2018