Cody, Ballade einer vergessenen Toten

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Cody, Ballade einer vergessenen Toten

(c) Ariadne

Es ist nicht der erste Krimi von Liza Cody, den wir hier unserern Lesern vorstellen. Angefangen hatte es mit Lady Bag, in dem Liza Cody einer Stadtstreicherin als Protagonistin ein Gesicht gibt, die eigentlich eine Frau ohne Gesicht ist, denn niemand beachtet sie. Manche beleidigen sie, manche ignorieren sie. Manche geben etwas. Manche nur wegen des Hundes an ihrer Seite. Dann folgten Krokodile und edle Ziele als Folgeband, die spannende Eva Wylie-Trilogie um die Catcherin Eva und schließlich Miss Terry um die indischstämmige Migrantin Nita Tehri. Alles Menschen, die eher am Rande der Gesellschaft leben, aber alles irgendwie starke Frauen sind.

Auch die Londoner Schriftstellerin Amy in "Ballade einer vergessenen Toten" ist nicht gerade ein Gewinnertyp. Deprimiert von verlorenen Träumen hockt sie im Café, als der alte Song einer jung ermordeten Sängerin im Radio kommt: "See Jesse Tomorrow" von Elly Astoria. Ellys Mörder wurde nie gefasst. In Amy keimt die Idee, sich am Tiefpunkt ihrer Karriere als Biografin zu versuchen. Sie recherchiert, spricht mit Leuten, die dabei waren, als Ellys Songs die Charts anführten und jeder ein Duett mit ihr wollte. Die Geschichten widersprechen sich. War SisterHood überhaupt eine richtige Band? Sex-Appeal hatte nur Sängerin Madeline, der Rest war höchstens begabt. Ihr Agent, dieser windige Ganove, kam frisch aus dem Knast. Und dann der schreckliche Mord …

Aufschlussreiches und Widersprüchliches, Charmantes und Verstörendes fügen sich zu einem Kaleidoskop ohne Gewähr. Oft fehlt die Mitte: Elly selbst scheint seltsam unsichtbar.

Amy kann bloß die Schnipsel nebeneinanderlegen, und die ergeben kein geschmeidiges Ganzes, sondern ein schräges Puzzle mit Widersprüchen, Leerstellen und tiefschwarzen Flecken. Schlaglichter fallen auf Mythos und Realität des Showbiz. Filmische Fragmente, Spekulation und Dokumentation rangeln miteinander. Die Rolle der Ermittlerin wächst Amy ständig über den Kopf … bis sie sich schließlich selbst verändert. In ihrem neuen Roman spielt Liza Cody wieder mit den Grenzen des Genres und jongliert mit Erzählweisen, wie nur sie es kann: mitreißend, sachlich, ironisch, zart, manipulativ und wahrhaftig – aber gibt es überhaupt eine Wahrheit?

Die 75-jährige Liza Cody wuchs in London auf, wurde an einem üblen Mädcheninternat zur Legasthenikerin, studierte dann Kunst und arbeitete als Roadie, Fotografin, Malerin und Möbeltischlerin sowie in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett, bevor sie zum Schreiben kam. Ihre Kriminalromane um die Londoner Privatdetektivin Anna Lee wurden mit etlichen Preisen ausgezeichnet, in viele Sprachen übersetzt und fürs Fernsehen verfilmt. In den Neunzigern begann sie mit der weltweit als Genrebreaker berühmt gewordenen Bucket-Nut-Trilogie um Catcherin Eva Wylie, für die sie den Silver Dagger erhielt. Es folgten Storys und sechs weitere Romane, darunter "Lady Bag", der auch den Deutschen Krimi Preis 2015 erhielt. Liza Cody lebt heute unweit von Tochter und Enkeln in Bath.

Lizy Cody, Ballade einer vergessenen Toten, Ariadne, Hardcover, ISBN 978-3867542388, 22,80 Euro

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(c) Magazin Frankfurt, 2019