Herrmann, Zartbittertod

Herrmann, Zartbittertod

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Das neue Buch von Elisabeth Herrmann kommt – wen wundert es –wieder als Thriller auf den Markt. Angesprochen werden sollen darin junge Menschen ab 14 Jahre. Hermann erzählt von Mia aus dem sächsischen Meißen.

Thriller kommt eigentlich vom englischen „thrill“ , was so viel wie Nervenkitzel bedeutet, doch allzu mitreißend ist dieses Buch wirklich nicht und außer über einige Nebenschauplätze, die ausgiebig behandelt werden, hat die Autorin in manchen Punkten offenbar nur grob recherchiert. Zum Bespiel wenn sie in Meißen von Schrippen redet, die sich dort - anders als in Berlin, wo sie lebt – allerdings Brötchen nennen. So runzelt der kritische Leser schon auf den ersten Seiten mehrfach die Stirn, wenn die Autorin dürftige Heimatkundekenntnisse zum Besten gibt.

Vielleicht liegt es an der Zielgruppe, aber echte Spannung kommt nicht auf und auch als nach einiger Zeit der erste Mord zu vermelden ist, kommt die Geschichte, die Mia aus dem kleinen Chocolaterie-Geschäft ihrer Eltern nach Lüneburg führt, nicht in Fahrt. Sie selbst hat in Meißen ihre ersten Sporen gesammelt und könnte sich auch vorstellen, den Laden zu übernehmen. Doch da dies vermutlich ihr älterer Bruder macht, plant sie ein Journalismus Studium. Auch für dessen Aufnahmeprüfung muss sie recherchieren, nicht nur für die wunderbaren Schokoladen-Rezepte. Für ihre Bewerbung hat sie die Geschichte eines Familienfotos gewählt, dass ihren Vorfahr Jakob zeigt, der einige Jahre in Deutsch-Südwestafrika verbrachte. Das Foto zeigt ihn neben seinem Lehrherrn zusammen mit einem lebensgroßen Nashorn aus Schokolade. Zwar sind Mia und auch der Lehrherr weiß, doch Ahn Jakob ist schwarz. Da Mia nur weiß, dass Jakob als kleiner Junge aus der damaligen Kolonie nach Deutschland kam, stellt sie Fragen an die Familie.

Nach der Wende hatte man ihrer Familie die alte Bäckerei in Meißen zurückübertragen, doch Mias Mutter will nicht so recht Antwort geben und verweist sie stattdessen auf einen alten Koffer, der auf dem Dachboden die Jahrzehnte der Nazizeit und der DDR-Zeit überdauert hat und einst Jakob gehörte. Darin findet sie ein Hemd und eine Lederkette mit Steinen.

Sie erfährt die Namen der Menschen, die damals in Deutsch-Südwest ihr Glück gesucht und zum Teil gefunden hatten und macht sich auf die Suche nach den Nachfahren von Jakobs Lehrmeister Gottlob Herder. Am Telefon erreicht sie dessen Sohn Wilhelm, der das Erbe der Schokoladenfabrik seines Vaters angetreten hat und vereinbart ein Treffen mit ihm – in Lüneburg. Als sie dort angekommen unbequeme Fragen stellt, sticht sie in ein Wespennest. Denn Liebe, Betrug und Verrat ziehen sich durch die Generationen, und als die etwas begriffsstutzige Mia endlich versteht, wer sie zum Schweigen bringen will, ist es fast zu spät …

Die Spannung plätschert eher läppisch vor sich hin, aufmerksame Leser – die solle es auch unter 14-jährigen geben – erahnen schon bald, wer der Täter sein könnte und fragen sich, warum dies Mia und die anderen Beteiligten nicht hinterfragen. Das Ende ist denkbar schwach und unglaubwürdig, doch dafür bietet Elisabeth Herrmann ein wahres Füllhorn an Wikipedia-Infos über Fairtrade, die deutsche Kolonialgeschichte und das auch bei uns diskutierte Massaker an den Herrero. Das gibt dem Buch manchmal etwas Belehrendes, das weder Jugendliche noch erwachsene Leser wirklich mögen.

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(c) Magazin Frankfurt, 2018