Vauvillé, Dunkle Nächte auf Montmartre

Vauvillé, Dunkle Nächte am Montmartre

(c) Hoffmann und Campe

Im Sommer kann das Herz Frankreichs manchmal mörderisch sein. Besonders der Sommer 2003, der nicht nur in Paris die Zahl der verstorbenen Senioren in beängstigende Höhen treibt. Jüngere Pariser wissen sich zu helfen und fliehen, wenn Paris im August glüht, in ihre Ferienhäuser in der Provinz und an die Stände im Westen und im Süden. Doch leer ist die Stadt auch nach ihrer Flucht nicht, denn dann drängen sich Touristen aus aller Welt durch die Avenues, Straßen und Gassen. Viele davon zieht es auch hinauf auf den Montmartre, den Hügel der erst vor gut 150 Jahren durch Eingemeindung zu Paris kam und seitdem als 18. Arrondissement Einheimische Vergnügungssüchtige und auswärtige Besucher anlockt. Offenbar auch ein gefährlicher Stadtbezirk, den im Cabaret Le Narcisse von Marcel Moulin, genannt der Rote, wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Auf den ersten Blick scheint es sich um Daphné, die kapriziöse Sängerin und einzige Frau in Moulins Transvestiten- Cabaret zu handeln. Doch die Tote hat sich nur als Daphné verkleidet … Moulin gerät unter Verdacht und beauftragt seinen Freund Quentin Belbasse, der eigentlich Gitarrist ist, aber das Viertel kennt wie seine Hosentasche, mit den Ermittlungen. Quentin stößt auf ein Geflecht aus Lügen und Eifersucht: Im Cabaret hat jeder etwas zu verbergen.

Hinter dem Pseudonym P. B. Vaulvillé verbirgt sich ein Paar: die gebürtige 52-jährige Frankfurterin Bertina Henrichs, die nach dem Studium der Literatur- und Filmwissenschaft in Frankreich hängen blieb und in Paris als Schriftstellerin und Filmemacherin arbeitet. Ihr Debüt Die Schachspielerin über ein Zimmermädchen, das seine Leidenschaft für Schach entdeckt, wurde zum Bestseller und wurde mit Sandrine Bonnaire und Kevin Kline in den Hauptrollen 2009 verfilmt. Der jetzt bei Hoffmann und Campe erschienene Krimi kam im französischen Original bereits 2010 heraus. Mehrere ihrer Bücher wurden bereits beim Hoffmann und Campe veröffentlicht. Die andere Hälfte des Pseudonyms ist Philippe Vauvillé, Musiker, Drehbuchautor, Regisseur und Dokumentarfilmer und Sänger des Jazz-Quartetts Smoking. Unter seinem Künstlernamen Sharon Glory ist er Sänger der Rockgruppe Au bonheur des dames. Ein gut aufeinander eingestimmtes Paar, das aus der Geschichte einen unterhaltsamen Krimi gemacht hat, der den Leser mitten ins Montmartre hineinversetzt. Quentin ermittelt in einer unaufgeregten Art, ganz den Temperaturen in Paris angepasst, bleibt aber bei seinen Ermittlungen stets am Ball. Mancher wird sich dabei noch an die Hitze des Sommers 2003 erinnern. Ob Quentin auch von den echten Flics so viel Spielraum und Informationen bekäme wie im Buch, darf man getrost bezweifeln. Trotzdem: ein sehr gut lesbarer Paris-Krimi.

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(c) Magazin Frankfurt, 2018