Comey, Größer als das Amt

Comey, Größer als das Amt

(c) Droemer

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Der Buchtitel steht auch für Comey, der mit seinen 2,03 Meter Größe auf den US-Präsidenten herabschauen musste. Ein großer Fan Donald Trumps wird der Republikaner Comey schon bei dessen Amtsantritt nicht gewesen sein, doch versuchte er sein Amt als Direktor des FBI, in das ihn Trumps Vorgänger Obama ernannt hatte, möglichst sachorientiert und weit entfernt von der Politik zu führen. Man hätte eigentlich annehmen können, das Trump ein echter Comey-Fan ist, denn mit seiner Ankündigung in der heißen Phase der US-Wahl, die E-Mail-Aktivitäten der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton untersuchen zu wollen, hat er wahrscheinlich der einen Todesstoß versetzt - und so geschah das lange Zeit undenkbare: Donald Trump wurde zum 45. Präsidenten der USA gewählt.

Doch das vielleicht anfängliche Interesse Trumps den Hünen, der zuvor auch das Amt des stellvertretenden US-Justizministers innehatte, schwoll schnell ab, da ihn Trump nicht in sein Lager ziehen konnte als er von ihm bedingungslose Loyalität forderte. Comey vergleicht Trumps Vorgehen damals als Mafia-Methode. Der Mann muss es wissen. Als stellvertretender Leiter der New Yorker Staatsanwaltschaft für Strafrecht, hatte er öfter mit New Yorker Mafiosi zu tun. Nach der Wahl Trumps wurde Comey im März 2017 vom Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses angehört und sprach dabei von Untersuchungen über Trumps Russland-Verbindungen und wiedersprach Trumps Abhörvorwürfen gegen Obama. Damit war für Trump das Maß voll und er feuerte im Mai 2017 den inzwischen unbequemen FBI-Chef fristlos – natürlich auch via Twitter.

Danach wurde Comey öffentlich vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senats befragt und nahm dabei wenig Rücksicht auf Freundlichkeit Trump gegenüber. Jetzt hat er seine Erinnerungen in Buchform gebracht, die sich aktuell, brisant und spannend wie ein Krimi lesen. Der fesselnde Insider-Bericht wirft ein düsteres Licht auf die politischen Machenschaften im Weißen Haus und das von Donald Trump korrumpierte System.

Mit gepflegtem Narzissmus, der Präzision des Staatsanwalts und einem schönen Schreibstil liefert Comey ein Sachbuch, dass sich (leider) wie ein Kriminalroman der Extraklasse liest, denn er wirft seinem Ex-Chef nicht weniger vor als für sein hohes Amt mental ungeeignet zu sein. Anders als Wolff, der für sein wütendes Buch quasi in den Vorzimmern der Macht gesessen und recherchiert hat, war Comey mit festgehaltenen Erinnerungen in den letzten 20 Jahren mittendrin im Zentrum der Macht. Dabei präsentierte er sich als unbeugsamer Ermittler, der gegen Mafia, CIA-Folter und Überwachung der NSA vorging und zuletzt wie erwähnt gegen Hillary Clintons Umgang mit dienstlichen Emails und Donald Trumps Russland-Verbindungen. Parteilos steht er den Republikanern nahe. Sein Karriereweg gleicht einer politischen Achterbahnfahrt: stellvertretender Justizminister unter George W. Bush, FBI-Direktor unter Barack Obama und wegen Illoyalität gefeuertes Ärgernis von Donald Trump. Ein eindrückliches Lehrstück über den aufrechten Gang in einer verantwortungslosen Regierung. Höchstspannend!!

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(c) Magazin Frankfurt, 2018