De Lapuente, Rechts gewinnt, weil Links versagt

De Lapuente, Rechts gewinnt, weil links versagt

(c) Westend Verlag

Der Neufrankfurter Roberto J. De Lapuente arbeitet unter anderem als freier Publizist. Schon 2008 bastelte er sich das Blog ad sinistram (links um!), in welchem er sich mit Politik, Sprach- und Gesellschaftskritik beschäftigt. Durchaus kritisch, denn in einem Staat, der stufenweise eine Überwachungs- und Polizeigesellschaft heranzüchtet und gezielt repressive Mittel gegen diejenigen einsetzt, die ihm nicht genehm sind ist es an der Zeit eine Gegenöffentlichkeit aufzubauen, die den herrschenden Gedanken - und damit den herrschenden materiellen Verhältnissen - den Absolutheitsanspruch raubt und differente Sichtweisen anbietet. Damit spielt De Lapuente auf die Rückkehr zu früherer Großmannssucht und die gerade beim Dieselskandal und Glyphosat präsentierte Rolle als Steigbügelhalter der Wirtschaft an, die viele Menschen wütend werden lässt. Doch was passiert? Nichts. So zumindest lässt es die Rückkehr der etablierten Parteien aus der Mitte der Gesellschaft in das Kuschelnest der GroKo vermuten. Neues wagen? Wie denn, wenn man Angst hat damit die Macht und die Pfründe zu verlieren. Die Folgen sind europaweit absehbar. Überall gewinnen Rechtsnationale wieder an Oberwasser und bekommen für ihre gefährlichen Parolen immer mehr Zustimmung auch aus dem als "bürgerliches Lager" verorteten Wählergruppen der Mitte, die einst SPD oder CDU gewählt haben.

Doch Roberto De Lapuente hat die Flinte noch nicht ins Korn geworfen und glaubt daran, dass eine Linke Alternative möglich ist. In seinem Buch schildert er die langjährige Krise der gesellschaftlichen Linken, die es nicht schafft, sich als echte Alternative für Deutschland zu etablieren. Er analysiert kritisch die neoliberale Kampagne gegen linke Politik, die einen Anteil daran trägt, aber auch die zahllosen hausgemachten Probleme der Linken wie ausladende Gender-Debatten und ewige Marx-Exegesen, und die zur Schau gestellte Selbstgefälligkeit und Abgehobenheit, mit der sie sich von den eigentlichen Problemen der Basis meilenweit entfernt hat man selbst diejenigen vergrault, die eigentlich zur Stammklientel zählen sollten. Was tun? Nicht mehr verschrobene Positionen vertreten und realpolitische Vorschläge nicht nur ablehnen, sondern sie vorschnell als Anbiederung an den rechten Rand der Gesellschaft zu verteufeln. Um wieder mehrheitsfähig zu werden, glaubt De Lapuente, muss sich die Linke wieder auf ihre alte Stärken rückbesinnen und an einen neuen, ergebnisoffenen Diskurs mit allen Beteiligten führen.

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(c) Magazin Frankfurt, 2020