Mieth, Sterben und Leben - Selbstbestimmung...

Mieth, Sterben und Leben

(c) Herder

Als Irene Mieth die schockierende Diagnose erhält, ist sie völlig überrascht und gar nicht daraauf vorbereitet: Krebs im fortgeschrittenen Stadium. Eine Operation scheint nach Ansicht der Ärzte die letzte Rettung zu sein, die Mittsiebzigerin zu retten und die Zeit drängt. Doch Irene Mieth entscheidet anders und sich gegen den Eingriff. Sie stirbt 2017. Irenes drei Jahre älterer Mann Dietmar war vor seiner Emeritierung Professor für Moraltheologie im Schweizer Fribourg und Professor für Theologische Ethik/Sozialethik in Tübingen und seit 2009 Fellow am Max Weber Kolleg der Universität Erfurt, Leiter der Meister-Eckhart-Forschungsstelle und Mitglied in bedeutenden Ethikkommissionen. Dietmar Mieth war gegen die Entscheidung seiner Frau und für die Operation. Das Ehepaar führte lange Gespräche, diskutiere, stritt auch. Am Ende akzeptiert Dietmar Mieth den Entschluss seiner Frau und begleitet sie auf ihrem weg bis zum Schluss. Über diese Zeit, über ihre Diskussionen, schreibt er jetzt in seinem wohl persönlichsten Buch. Der renommierte Ethiker und Moraltheologe reflektiert über Sterben und Lieben, über Schmerz und Zerbrechlichkeit, Ungewissheit und Hoffnung.

Ergänzt werden seine Gedanken durch Auszüge aus dem Tagebuch, das Irene Mieth während ihrer Krankheit schrieb. Beide setzen damit ihre gewohnten Gespräche fort. Der Text lebt von ihrem Dialog – bis zuletzt. Respektvoll und zutiefst getragen von ihrem gemeinsamen Glauben, ihrer Suche und die tiefe Verbundenheit in der Mystik Meister Eckharts. Das Buch zeigt die ungeschönte Offenheit und Gelassenheit beider bei einem existenziellen Grenzthema – berührend und ungemein authentisch zugleich.

"Nun aber sprach sie von ihrem Glück, vor mir zu sterben. Ich weiß jetzt, nach mehr als einem Jahr, was sie damit meinte. Denn in ihrem Arm werde ich nicht sterben dürfen, so, wie sie in meinem Arm gestorben ist. Dennoch: Lieben, auch in der Schwachheit, ist immer wieder ein zu spürender warmer Mantel, den Hoffnung und Glaube uns um die Schultern legen." schreibt Dietmar Mieth.

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(c) Magazin Frankfurt, 2019