Ruisinger, Die große Stille

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Ruisinger, Die große Stille

(c) Braus

Friedhöfe sind seit jeher ein Ort der Stille. Manchmal betritt man sie als Teil einer Trauergemeinschaft, um Abschied zu nehmen, teils als Angehöriger, um verstorbener Ahnen und Familienmitglieder zu gedenken. Doch es sind nicht nur familiär bedingte Friedhofsbesuche, die uns berühren. Ich erinnere mich noch gut an eigene Friedhofsbesuche, lange bevor ich von jemand Abschied nehmen musste. Manche sind mir tief im Gedächtnis geblieben, wie der Pariser Cimetière du Père-Lachaise, der als erster Friedhof der Welt als Park angelegt wurde. Ich war dort nicht der einzige Besucher, der das Grab eines der großen Männer und Frauen besuchen wollte, die dort ihre letzte Ruhestätte fanden: Balzac, Beaumarchais, die Callas, Camus, Chopin - die Liste ist lang, nicht nur Franzosen. Mit rund 3,5 Millionen Besuchern im Jahr ist er eine der meistbesuchten Stätten in Paris. Auch andere Friedhöfe mit berühmten Toten, wie der Wiener Zentralfriedhof oder der St. Marxer Friedhof mit dem Grab Mozarts, der Nationalfriedhof Arlington mit dem Grab JFKs, erfreuen sich bei Reisenden großer Beliebtheit und stehen auf dem Programm einiger Reiseveranstalter.

Doch es sind nicht nur christliche Friedhöfe, denn alle drei großen monotheistischen Weltreligionen - auch Judentum und Islam - haben ihre ganz eigenen Begräbnisrituale. Gemeinsam ist ihnen, dass der Friedhof als besonderer Ort des Totengedenkens gilt.

Der Band des Zahnmediziner Gianni Ruisinger, der sich besonders auf seinen Reisen durch fremde Kulturen mit Fotos als wichtigstem Ausdrucksmittel seiner Gefühle artikuliert, enthält eine Vielzahl von Aufnahmen aus aller Welt, von Argentinien bis Israel, von Russland bis Mexiko, von Tunesien bis Kamtschatka. Die Fotos werden dabei einfühlsam begleitet von Gedichten, Gebeten und Gedanken großer Philosophen aus Vergangenheit und Gegenwart und allen Kulturkreisen der Erde.

Jedes der drei Kapitel zur jeweiligen Religion wird von einem einführenden Text eröffnet, der die Besonderheiten im Umgang mit dem Tod und dem Begräbnis erläutert. Die stimmungsvollen Fotografien offenbaren im Einklang mit den feinfühligen Sentenzen, was Friedhöfe, jenseits aller religiösen Unterschiede, so wichtig macht: den Trost, den sie als Gedenkorte bieten können.

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(c) Magazin Frankfurt, 2019