Carreyrou, Bad Blood

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Carreyrou, Bad Blood

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Große offene blaue Augen. Elisabeth Holmes sieht aus wie die Unschuld in Person. Mit 19 Jahren brach sie ihr Studium an der renommierten Stanford University ab, um Theranos zu gründen, ein Biotechnologie-Unternehmen zur Blutuntersuchung, das sie auch als CEO leitete und an dem sie einen Anteil von 50 % hielt. 2015 zählte das Time-Magazin die damals 31-Jährige zu den hundert einflussreichsten Personen der Welt. Die Welt betrachtete sie als einen weiblichen Steve Jobs, denn schon zu Beginn versprach das 19-jährige Start up-Wunderkind mit ihrer Firma eine Revolution in der Medizinindustrie. Auch dessen schwarzen Rollkragenpulli hatte Holmes kopiert und zu ihrem Markenzeichen gemacht und nannte ihr Blutanalysesystem den "iPod des Gesundheitswesen".

Ein einziger Tropfen Blut sollte reichen, um Blutbilder zu erstellen und Therapien zu steuern – eine Riesenhoffnung für Millionen Menschen und ein extrem lukratives Geschäft. Als Holmes 2011 den vormaligen US-Außenminister George Shultz in den Aufsichtsrat von Theranos holte und dieser in den folgenden Jahre weitere einflussreiche Ex-Politiker und -Militärs in das Gremium holte, darunter William Perry, Henry Kissinger, Trumps späterer Verteidigungsminister James N. Mattis und andere in sein Gremium holte, sorgte dies für riesige Investitionen namhafter Investoren wie von Medienmogul Rupert Murdoch in das junge Unternehmen – in der Spitze hatte es einen Marktwert von neun Milliarden Dollar. Bei den mächtige und reichen alten Männern scheint beim Anblick der erfolgversprechenden jungen Frau der Verstand ausgesetzt zu haben und sie wollten an Holmes' Erfolg glauben. Schnell wurde Holmes zur weltweit jüngsten Selfmade-Milliardärin.

Doch es gab ein Problem – die von Holmes überzeugend präsentierte Technologie hinter den schicken Apparaturen hat nie funktioniert. Irgendwann fiel das einigen kritischen Journalisten auf. Ein Artikel des Wall Street Journals ließ im Herbst 2015 erste Zweifel an der Wirksamkeit ihres Bluttest-Apparates aufkommen und führte zu Ermittlungen mehrerer US-Behörden von US-Börsenaufsicht (SEC) bis zur FDA. Im Sommer 2016 musste das Unternehmen melden, dass ihnen die Aufsichtsbehörde für zwei Jahre die Lizenz zum Betrieb eines Bluttest-Labors in Kalifornien entzogen hat. Im Frühjahr 2018 reichte die SEC vor Gericht Beschwerde gegen Holmes ein, weil man Wertpapierbetrug vermutete, denn Holmes habe gewusst, dass viele Bluttests von Theranos statt mit dem eigenen Blutanalysegerät mit Geräten von Mitbewerbern analysiert worden waren. Dies wurde potenziellen Investoren aber verschwiegen und dadurch wissentlich oder grob fahrlässig Gelder in dreistelliger Millionenhöhe gesichert.

2018 wurde Holmes als Chefin abgelöst und darf für die nächsten 10 Jahre keine börsennotierten Unternehmen leiten. Für Theranos der Todesstoß, da alles nach groß angelegten Betrug aussieht. Zu Ende ist die Geschichte noch nicht. Das Wirtschaftsmagazin Forbes schätzte 2015 Holmes Vermögen auf rund 3,5 Milliarden US-Dollar. Im Folgejahr reduzierte Forbes diesen Wert quasi auf null. Im Juni 2018 wurde gegen Holmes und ihrem 20 Jahre älteren Ex-Freund Ramesh "Sunny" Balwani, den ehemaligen Präsidenten und Vorstand von Theranos, Anklage wegen Betruges an Investoren und Hunderttausenden Kunden. Bei einer Verurteilung drohen ihnen bis zu 20 Jahre Gefängnis und hohe Geldstrafen.

Pulitzer-Preisträger John Carreyrou war einst diesem gigantischen Betrug auf die Spur gekommen und erzählt jetzt in seinem preisgekrönten Buch die packende Geschichte seiner Enthüllung. Der New-York-Times-Bestseller wurde vom Time Magazine auf Platz 1 der »Best Non-fiction Books of 2018« gekürt. Holmes stillte "den Hunger der Öffentlichkeit nach einer weiblichen Unternehmerpersönlichkeit" in der von Männern dominierten Tech-Welt, schreibt der Wall Street Journal-Autor. Leicht war seine Arbeit nicht, denn Holmes kämpfte bis zum Schluss und versuchte mit massiver juristischer Hilfe die Veröffentlichung des ersten Artikels zu unterbinden, indem sie massiven Druck auf Informanten ausübten. Einige davon, wie Tyler Shultz, den Enkel des Theranos-Aufsichtsrats, hatten Holmes Juristen tagelang massiv bedrängt und eine auch im Unternehmen spürbare "Kultur der Angst" etabliert, die mit strenger Überwachung, Entlassungen und Kommunikationseinschränkungen agierte. Als dies nicht die Veröffentlichung verhindern konnte reagierte Holmes wie Trump mit selbstbewussten Abstreiten. Wegen Vertagung des Verfahrens ist mit einem Prozess und einem Urteil erst im kommenden Jahr zu rechnen. Das Interesse der US-Öffentlichkeit ist weiterhin groß. Mit der mehrfach mit dem Oscar geehrten Jennifer Lawrence hat man für eine Verfilmung schon eine passende Hauptdarstellerin gefunden. MR

John Carreyrou, Bad Blood – Die wahre Geschichte des größten Betrugs im Silicon Valley, Spiegel Buchverlag, Hardcover, ISBN 978-3421048233, 24 Euro

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(c) Magazin Frankfurt, 2019