Sittenfeld, Hillary

Sittenfeld, Hillary

(c) Penguin

Eigentlich gehört der Roman gar nicht in die Rubrik Biografien, denn die New York Times-Bestsellerautorin Curtis Sittenfeld, die schon mit zarten 17 Jahren ihren ersten Schreibwettbewerb gewann, dann während ihres Creative Writing-Studiums Artikel für die Collegezeitung schrieb und kurz nach dessen Abschluss ihren ersten Roman in Angriff nahm, erzählt darin nur in Ansätzen das Leben der Frau nach, die als Hillary Clinton erst als Präsidentengattin von sich reden machte und später selbst in die große Politik einstieg, erst als Senatorin und später als Außenministerin der Regierung Obama, den sie bei der parteiinternen Vorwahl für die Präsidentschaftskandidatur ebenso unterlag wie 2016 dem republikanischen Herausforderer Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2016. Auch ihr Privatleben hatte nicht nur positive Momente. Große Teile der Weltbevölkerung erinnern sich noch an die lustvoll vom Ermittler Kenneth Starr über Monate ans Tageslicht gebrachte Affäre ihres Ehemanns, des Präsidenten, mit einer jungen Praktikantin, die zu einem dann gescheiterten Amtsenthebungsverfahren führte. Wie Tammy Wynette in ihrem Song "Stand by Your man" melodisch fordert, stand auch Hillary Clinton zu dem Mann, den sie 1975 geheiratet hatte. Das war das Jahr, als Curtis Sittenfeld in Cincinnati das Licht der Welt erblickte. Das Leben von Frauen an der politischen Spitze beschäftigte Sittenfeld, die auch für Magazine schreibt, schon mehrfach: 2008 interviewte sie für das Time Magazin Michelle Obama. Im Roman »Die Frau des Präsidenten« zeichnete sie ein fiktives Porträt der ehemaligen First Lady Laura Bush und in ihrem neuen Buch »Hillary« erzählt sie das Leben von Hillary Diane Rodham neu.

Was wäre geschehen, hätte Hillary Bill Clinton 1975 NICHT geheiratet hätte? Jung, politisch erfolgreich und leidenschaftlich verliebt sind beide das romantische Traumpaar der 1970er-Jahre. Ihre Pläne für die gemeinsame Zukunft kennen nur eine Richtung: ganz nach oben. Doch als Bill um Hillarys Hand anhält, lehnt sie ab. Ein Nein, das ihr Leben für immer verändern wird… Damit gibt die Erfolgsautorin der Weltgeschichte in ihrem Bestseller einen überraschenden neuen Lauf. In dem Buch erleben wir das politische Amerika, wie es noch nie jemand erzählt hat: hautnah und aus der Perspektive einer Frau, die für ihren Lebenstraum alles gibt. So unterhaltsam wie scharfsinnig beleuchtet Sittenfeld die Abgründe einer Frau, über die wir eigentlich alles zu wissen glaubten. »Sittenfelds Hillary ist beides: Mitwirkende im Game of Thrones, romantische Romanheldin und wunderbar knallharte Frau.« lobt Oprah Winfrey das Buch.

Die Autorin selbst sagt in einem Interview über ihre Themenwahl:

"Die Frau des Präsidenten" und "Hillary" sind zwei sehr politische Bücher. Das wirkt auf den ersten Blick natürlich wie ein Muster. Mich haben aber in erster Linie die außergewöhnlichen Geschichten dieser beiden Frauen gereizt. In der Politik stehen meist die Agenden der Parteien im Vordergrund, die persönlichen Geschichten der einzelnen Charaktere bleiben eher im Verborgenen. Das steigert mein Interesse in diese Personen allerdings ungemein. »Hillary« ist für mich kein Roman über eine ehemalige First Lady, sondern über die erste Frau, die von einer der größten amerikanischen Parteien zur Präsidentschaftskandidatin ernannt wurde."

Ob man beim Erfolg auch Bücher über die anderen First Ladys Michelle, Melania und Jill erwarten darf?

" Ich denke, keine der drei. Ich habe Michelle Obamas Biografie sehr gerne gelesen. Aber dieses Buch ist so aufrichtig und offen geschrieben, dass es keine Romanadaption mehr braucht. Über Melania Trump würde ich keinen Roman schreiben, weil ich keinen weiteren Gedanken an ihren Ehemann verschwenden will. Und ich mag Jill Biden, aber ich glaube, es reizt mich nicht, ihr Leben zu fiktionalisieren. Und Vizepräsidentin Kamela Harris, wird sie womöglich einmal die erste US-Präsidentin? "Ich persönlich glaube, dass bei den Präsidentschaftswahlen 2024 oder 2028 die erste Präsidentin gewählt wird. Und ich hoffe sehr, dass es Kamala Harris ist."

Der Roman handelt von einer Frau, die jeder zu kennen glaubt und über die jeder Mensch eine Meinung hat. An welcher Stelle brechen Sie mit den Erwartungen Ihrer Leser?

"Ich halte Hillary für eine sehr warmherzige, mitfühlende, kluge und hart arbeitende Frau. Vermutlich ist sie eine sehr gute Zuhörerin und eine wundervolle und loyale Freundin. Sie dreidimensional mit ihren privaten Sorgen und Sehnsüchten zu porträtieren und nicht als rücksichtslose und aggressive Spielverderberin, fühlte sich fast radikal an. Viele von uns sehen in ihr nur ein Symbol, aber natürlich ist sie eine reale Person.“

Was hat Sie bei Ihren Recherchen am meisten überrascht? Was war das Lustigste, was Sie über Hillary Clinton erfahren haben, was das überraschendste?

„Dreißig Jahre lang haben ihre Gegner versucht, Hillary als unehrliche oder korrupte Person darzustellen. Trotzdem findet man kaum Beispiele für Situationen, in denen sie sich tatsächlich unpassend verhalten hätte. Das fand ich sehr interessant – allerdings eher auf verstörende als lustige Weise. Es gibt einfach eine große Diskrepanz zwischen ihrer sehr negativen Darstellung in der Öffentlichkeit und ihren Auftritten als Person und Politikerin. Und noch etwas weniger Ernstes: Scheinbar mag sie Cocktails sehr gerne und ist in Jon Bon Jovi verknallt. Das steht zumindest in der Biografie Chasing Hillary der New York Times-Journalistin Amy Chozick.“

Haben Sie Hillary Clinton je persönlich getroffen?

„Nein, und das werde ich wohl auch nicht. Manchmal träume ich von ihr, aber das zählt wohl nicht.“

Curtis Sittenfeld, Hillary, Penguin, Hardcover, 512 Seiten, ISBN 978-3328601708, 24 Euro

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(c) Magazin Frankfurt, 2022