Peschke, Vom Acker auf den Teller

Peschke, Vom Acker auf den Teller

(c) at-Verlag

Laufend sind neue Diäten im Gespräch. Was soll man essen? Vegan, Paleo, möglichst wenig Kohlenhydrate und jeden Morgen ein Smoothie oder doch das Frischkornmüesli? Es gilt, die Urteilsfähigkeit und innere Orientierung zu stärken, damit wir unsere Ernährung unabhängig von Diätvorschriften und Werbeaussagen gestalten können. Außerdem sind Klimawandel für jeden spürbar geworden. Bienen sterben, das Trinkwasser enthält zu viel Nitrat und die Landschaft ist durch flächendeckenden Raps- oder Maisanbau monoton geprägt. Es ist längst offenkundig, dass das Ernährungsverhalten und die niedrigen Preise für Nahrungsmittel damit zusammenhängen.

So ist einerseits die Frage, welche Ernährung der Mensch für seine gesunde, physische und seelisch-geistige Entwicklung braucht, und andererseits ist der Mensch durch seine Nahrungsauswahl Koproduzent und somit Mitgestalter der Welt, in der er lebt.

Zwar ist Jasmin Peschkes Buch kein Kochbuch, doch die darin enthaltenen Informationen darüber, was Lebensmittel wirklich gesund machte – und was nicht, machen es zu einem wertvollen Ideengeber für die Küche. Peschke fragt sich ob Lebensmittel wirklich gesund sein können, wenn sie zwar alle Nährstoffe enthalten, aber die Produzenten für ihre Aufzucht immer mehr Düngemittel, Pestizide und Hilfsstoffe einsetzen müssen? Sie zeigt, dass Ernährung mehr ist als bloße Nährstoffaufnahme. Jasmin Peschke hat sich als promovierte Diplom-Oecotrophologin seit über 30 Jahren mit der Qualität von Lebensmitteln und Naturprodukten beschäftigt und leitet den Fachbereich Ernährung an der Sektion für Landwirtschaft am Dornacher Goetheanum. Viele kennen das Goetheanum zumindest vom Namen, denn der vor knapp einem Jahrhundert nach den Grundsätzen der anthroposophischen Architektur mit Elementen des Jugendstils und Expressionismus errichtete Bau ist als Sitz und Tagungsort der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft eng mit der Lehre ihres Gründers Rudolf Steiner ausgerichtet. Wie in der Medizin widmet man sich auch in Sachen Ernährung an einem ganzheitlichen Gedanken ausgerichtet.

Steiner hat bereits 1923 seinen Ansatz bezüglich der Gestaltung der persönlichen Ernährung klar gemacht: „Ich sage überhaupt niemals einem Menschen, ob er den Alkohol lassen soll oder ob er ihn trinken soll, ob er Pflanzen essen soll oder Fleisch essen soll, sondern ich sage zu dem Menschen: der Alkohol wirkt so und so. Ich stelle es ihm einfach dar wie er wirkt; dann mag er sich entschließen, zu trinken oder nicht. Und so mache ich es schließlich auch beim Pflanzen- und Fleischessen. Ich sage: So wirkt das Fleisch, so wirken die Pflanzen. Und die Folge davon ist, dass der Mensch sich selber entschließen kann“.

Die anthroposophische Ernährung folgt deshalb einer ganzheitlichen Lebensweise, die Körper und Geist in Einklang mit der Natur und dem Kosmos bringt. Es handelt sich dabei um eine vegetarische Ernährung mit reichlich Getreideprodukten aus vollem Korn und frischen Lebensmitteln aus ökologischem Anbau. Das oberste Grundprinzip ist, wie schon aus dem Satz Steiners deutlich wird, stets die freie Entscheidung, die ein Verbot von Lebensmitteln ausschließt. Jeder soll selbst entscheiden, was für ihn zuträglich ist. Wie der Name des Goetheanums deutlich macht, richtet sich die anthroposophische Ernährung wie bei Goethe nach der Dreigliederung Wurzel, Blatt/Stängel und Blüte/Frucht, die jeweils bestimmte Bereiche des Körpers ansprechen. Stärkt die Wurzel Sinne und Nerven, spricht das Blatt oder der Stängel das Herz und die Lungen an. Blüte und Frucht regen wiederum Stoffwechsel und Fortpflanzung an. Das bedeutet, dass Blatt- und Kopfsalat positiv auf Herz und Lunge und Wurzelgemüse auf Kopf und Nerven wirken. Früchte und Fette regen den Stoffwechsel an. Ein harmonisches Gleichgewicht wird beim täglichen Verzehr von Lebensmitteln aus allen drei Bereichen erzielt.

Jasmin Peschke ist davon überzeugt, dass Aufbau- und Reifekräfte notwendig für die Gesundheit der Menschen und des Planeten sind. Authentische, auf dem Acker entstandene Lebensmittel sind deshalb Voraussetzung für die Lebensqualität und eine nachhaltige Zukunft. Denn nur auf gesundem Boden können Lebensmittel wachsen, die zu Gesundheit und Resilienz der Menschen beitragen. Die promovierte Ernährungswissenschaftlerin befasst sich in mit Saatgut, Böden, den Methoden der Qualitätsuntersuchung, Ernährung für die Zukunft, einer Kochschule für Kinder und einem integrierten Gesundheitskonzept mit Blick auf die Darmmikrobiota. Interessierte finden in dem Manifest für eine zukunftsweisende Lebensmittelproduktion gut verständliche, fundierte Informationen über Resilienz und Ernährung sowie die Tatsache, dass Gesundheit nicht ohne eine umfassende Sicht auf das gesamte Ernährungssystem entstehen kann. Neben Peschke haben auch Autoren wie die Köche Heinz Fendrich, Tanja Grandits und Sarah Wiener Beiträge zu dem Buch verfasst.

Jasmin Peschke, Vom Acker auf den Teller, at-Verlag, Hardcover, 200 Seiten, ISBN 978-3039021116, 25 Euro

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(c) Magazin Frankfurt, 2021