Holm/Bolther, Gefrorenes Herz

Holm/Bolther, Gefrorenes Herz

Heyne

"Diese Autorinnen wissen genau, wie die Ermittlungsarbeit im echten Leben abläuft" beschreinigt Jens Møller Jensen, der frühere Leiter der Mordkommission bei der Kopenhagener Polizei das Buch. Er muss es wissen, denn er hat es schon gelesen und kennt die Autorinnen Line Holm und Stine Bolther von der Arbeit. Die 46-jährige Holm arbeitet als mehrfach ausgezeichnete Investigativjournalistin für Berlingske, eine der größten Tageszeitungen Dänemarks und die 45-jährige Moderatorin Stine Bolther arbeitet schon seit vielen Jahren als Kriminalreporterin und hat bereits einige True-Crime-Bestseller veröffentlicht.

Mit "Gefrorenes Herz" schließen die beiden Autorinnen an diese Erfolge an und landeten sofort einen Bestsellerkrimi des Jahres in ihrer Heimat Dänemark, in dem sie die Polizeiarbeit ganz akkurat nachzeichnen. Neben einem spannenden Verbrechen erhalten die Leser interessante Einblicke in die dänische Vergangenheit und Gegenwart. Ein Krimi mit Mehrwert also.

In dem Startband einer Reihe um die Polizeihistorikerin Maria Just bereitet diese gerade eine Ausstellung zum Thema »100 Jahre ungelöste Mordfälle« im Polizeimuseum von Kopenhagen vor. Da wird mitten in der Stadt der Generalsekretär des Roten Kreuzes auf bestialische Art ermordet. Der Tote hängt gekreuzigt an einem Geländer, auf seinem Körper wurde ein rätselhaftes Zeichen eingeritzt. Die Polizei ermittelt unter hohem Druck von Presse und Politik. Doch es ist Maria, die schließlich eine Verbindung zu einem ungeklärten Doppelmord entdeckt, der über fünfzig Jahre zurückliegt. Ein dunkles Kapitel dänischer Geschichte dringt ans Licht. So dunkel, dass jemand auch nach Jahrzehnten noch Vergeltung sucht. Kann Maria den Rachefeldzug stoppen, bevor es zu spät ist?

In diesem wie in den Folgebänden nehmen sich die beiden Autorinnen immer historische Ereignisse oder Verbrechen vor, die sich in der Gegenwart wiederholen, entweder auf ganz konkrete oder aber auf symbolische Art, sodass sich die Leser unweigerlich fragen: Haben wir aus der Geschichte gelernt? Gleichzeitig beschäftigt sie, genau wie die Wissenschaftler des Polizeimuseums, die Frage, woher das Böse kommt.

Sind manche Menschen von Geburt an böse? Oder werden die grausamen Taten eines Menschen durch die Gene, das Umfeld eines Kindes oder durch die gesellschaftlichen Verhältnisse bedingt? Als Journalistinnen haben beide über Prozesse berichtet, in denen es um Straftaten ging, die von einer enormen Brutalität und Grausamkeit gekennzeichnet waren. Dabei interessierte sie jedes Mal die Frage: „Warum ist das passiert?“

Die Beschreibungen der Ermittlungsarbeit wirken sehr authentisch, den die beiden haben als Journalistinnen jahrelange Erfahrung mit realen Kriminalfällen, von Verkehrsdelikten über Wirtschaftsbetrug bis hin zu Serienmördern. Sie haben großen Wert darauf gelegt, die Ermittlungen im Buch so wirklichkeitsnah wie möglich zu schildern und ihr fiktives Universum ist stark von realen Mordfällen inspiriert. An mehreren Stellen im Buch stimmen Dialoge, Mordmethode oder Ermittlungsschritte eins zu eins mit der Wirklichkeit überein. Für ihre Recherchen haben sie ihr umfangreiches Netzwerk von führenden Experten Dänemarks genutzt, darunter Mordermittler, Telekommunikationsanalysten, Rechtsmediziner und Kriminaltechniker.

»Gefrorenes Herz« zeigt, wie wichtig es ist, aus der Geschichte zu lernen. Im nächsten Fall von Maria Just ist wichtig, dass wer nicht aus seinen Fehlern lernt, dazu verdammt ist, sie zu wiederholen. Eine Prämisse der Bücher ist, dass es wichtig ist, aus der Vergangenheit zu lernen – als Mensch wie auch als Gesellschaft. In Marias zweiten Fall geht es um einem ungelösten Fall aus der Besatzungszeit Dänemarks, der indirekt in Verbindung mit den Taten eines Mörders aus der Gegenwart steht. Durch eine Reihe von Anschlägen auf die Polizei, wird diese bis in die Grundfesten erschüttert.

Line Holm/Stine Bolther, Gefrorenes Herz, Heyne, Broschur 576 Seiten, ISBN 978-3-453-44146-0, 15 Euro

(c) Magazin Frankfurt, 2021