Slaughter, Die falsche Zeugin

Slaughter, Die Falsche Zeugin

(c) HarperCollins

Schon seit die heute 50-jährige US-Amerikanerin Karin Slaughter vor 20 Jahren anfing, Kriminalromane zu schreiben, scheut sie sich nicht, brutalste Handlungen, wie Folterungen der Opfer, Missbrauch von Kindern schmerzlich zu beschreiben. Zuvor hatte sie eine eigene Werbeagentur geleitet, die sie nach dem Erfolg ihrer Bücher verkaufte. Vor allem in Großbritannien wurde sie schnell sehr erfolgreich und schon ihr zweites Buch aus der Grant-County-Serie "Vergiss mein nicht" kletterte in die Bestsellerlisten. Seit 2003 erscheinen ihre Bücher auch im deutschsprachigen Raum und verschafften ihr eine wachsende Fangemeinde, die sie inzwischen zu einer der populärsten und gefeiertsten Schriftstellerinnen weltweit werden liessen. Ihre Bücher erscheinen in 120 Ländern und haben sich insgesamt über 35 Millionen Mal verkauft. Sie hat 20 Bücher geschrieben, darunter die Grant-County- und die Georgia-Reihe.

Ihr neues Buch "Die falsche Zeugin" ist ein sogenannter Standalone-Krimi, also ein Buch, dass an keine ihrer anderen Geschichten andockt. Darin stellt sie uns die Anwältin Leigh vor, die schon immer härter kämpfen musste als andere. Ihre Kindheit mit ihrer jüngeren Schwester Callie war geprägt von Gewalt und wurde damals durch ein brutales Verbrechen abrupt beendet. Seitdem sucht Leigh Schutz hinter der unauffälligen Fassade ihres gutbürgerlichen Lebens. Das soll sich ändern, als sie den Auftrag bekommt, die Verteidigung eines mutmaßlichen Vergewaltigers zu übernehmen. Der Fall könnte ihrer Karriere einen mächtigen Schub verpassen. Doch als sie dem Angeklagten gegenübersteht, wird ihr klar, warum er ausgerechnet sie als Anwältin auserkoren hat. Sie kennt ihn. Und er kennt sie. Und er weiß genau, wovor Leigh seit zwanzig Jahren davonläuft.

"Überraschend. Emotional. Intensiv" - mit diesen drei Wörtern beschreibt die Autorin ihr neues Buch. Am Wichtigsten sind ihr dabei die Charaktere, mit denen sie freudvoll die Drehungen und Wendungen einer Story plant. Schon lange bevor sie mit einem neuen Buch anfängt, macht sie sich Gedanken darüber, wie die Geschichte genau verlaufen muss und hat deshalb ziemlich genau alle Twists schon im Kopf. Nur ein paar Nebensächlichkeiten können sich dann noch ändern, aber ansonsten ist sie sich sehr genau darüber im Klaren, wo sie die großen überraschenden Schocker und Wendungen einsetz und wie sie sich auf die Charaktere auswirken.

Obwohl es manchmal einfacher erscheint, einen neuen Will-Trent-und-Sara-Linton-Krimi zu schreiben, weil sie beide Charaktere schon gut kennt, stellt sich für die Autorin immer wieder die knifflige Aufgabe, etwas Neues zu erzählen, ohne damit Verwirrung zu stiften. Bei dem Standalone stellen die Szenerien und Persönlichkeiten die besondere Herausforderung dar, die vollkommen neu und einzigartig erscheinen müssen. Jede Person muss ihre eigene Stimme bekommen und eine besondere Perspektive. "Da wird eine ganz neue Welt erschaffen." Das ist ihr mit dem Buch offensichtlich gelungen, denn sie liefert erneut einen Pageturner, der nie die Stränge der Handlung aus den Augen verliert und alles plastisch und schonungslos darstellt.

Karin Slaughter, Die Falsche Zeugin, HarperCollins, Hardcover, 592 Seiten, ISBN 978-3749902194, 22 Euro

(c) Magazin Frankfurt, 2021