Zhou, 18/4 - Der Pfad des Rächers

Der 45-jährige Zhou Haohui lebt in der Millionenstadt Yangzhou in der ostchinesischen Provinz Jiangsu. Zwei seiner in diesem Jahr auch auf Deutsch erschienenen 18/4-Trilogie sind bereits auf dem Markt und wurden bereits als Streaming-Serie und fürs Kino verfilmt und international verkauft.

Der erste Band handelt von einem Mann, der sich Eumenides nennt, wie die griechischen Rachegöttinnen aus der Orestie des Aischylos, der vor 18 Jahren unabhängig voneinander zwei hochrangige Polizisten und zwei Auszubildende tötete und jetzt plötzlich wieder zurück ist und Sergeant Zheng Haoming, der im damals auf den Fersen war, tötet. Dabei sind seine Taten kein Geheimnis, denn er kündigt ganz genau an, wen er warum und wann töten wird und hält damit die Polizei auf Trab. Nur aufhalten kann man ihn nicht.

Die Handlung spielt im Südwesten des Landes in der 20-Millionen-Stadt Chengdu, der Hauptstadt Sichuans. Seine Opfer sind Menschen, deren Verbrechen von der Polizei nicht geahndet wurden. Das erinnert auch an andere Regionen der Welt, wo es einige Menschen schaffen, ungesühnt Verbrechen zu begehen, ohne dass sie von einer korrupten Polizei, Staatsanwaltschaft und Politik daran gehindert werden. Auch dort wünschen sich vermutlich viele Leser einen solchen Racheengel, doch meist ist die Führung zu gut verzahnt, um wirksame Rachegötter zuzulassen. Eumenides zumindest kann es und kündigt mittels Todesanzeigen an, wen er ermordet, wann er zuschlägt und warum das Opfer, das ein Täter ist, sterben muss. Auch in Chengdu will man ein so eigenmächtiges Bestrafen nicht zulassen und hat deshalb zu seiner Verhaftung die Sondereinsatzgruppe 18/4 unter dem brillanten Hauptmann Pei Tao gegründet, die Eumenides mit jeder weiteren Tat verhöhnt. Bei jedem Mord ist er der Polizei einen Schritt voraus und selbst Pei Taos Geheimnisse und Vergehen sind vor dem Killer nicht sicher. Ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt.

Zhou verzichtet auch Erzählung der Geschichte aus der Perspektive von Pei Tao, sondern wechselt zwischen den verschiedenen Protagonisten, die den europäischen Lesern vermutlich ebenso fremd sein dürften, wie dem Übersetzer Julian Haefs, der die Bücher aus dem Englischen übersetzt hat.

Am Anfang stolperte ich immer wieder über die vielen fremden Namen, aber das Register zu Beginn des Buches hilft. den Überblick über die verschiedenen Charaktere und ihre Rolle zu bekommen.

Seine Opfer, die der Verfolgung durch ihre Macht und ihren Einfluss entkommen sind, identifiziert Eumenides durch eine einer Art Anzeige im Darknet. Auch Pei Tao Geheimnisse machen ihn schnell vom Jäger zum Gejagten. Zhou Haohui schafft es mit schneller, spannender und überraschender Handlung zu überzeugen, ohne die Exotik seiner Heimat bemühen zu müssen. Die Geschichte kann man überraschend gut lesen, denn der Schreibstil reißt mit.

Auch im zweiten Band geht es um Eumenides, der wenn die Polizei versagt zur Stelle ist und für seine Opfer nur eine gerechte Strafe kennt: den Tod. Eigentlich hatte man bei der Polizei geglaubt, der anstrengende Alptraum hätte ein Ende genommen, nachdem sich der gefürchtete Killer zusammen mit seinem letzten Opfer in die Luft gesprengt hat. Doch dann bekommen plötzlich zwei Studenten eine Todesankündigung, die sehr an Eumenides erinnert und als die beiden kurze Zeit später tot sind, ahnt Hauptmann Pei Tao, dass der Serienmörder schon vor langer Zeit vorgesorgt hat. Es gibt wohl einen zweiten Killer, der Eumenides’ Mission unter dessen Namen unerbittlich fortführt. Also heftet sich Pei Tao mit seinem Team an die Fersen des neuen Eumenides. Der steht seinem Meister in nichts nach. Ein erneut perfides Spiel beginnt, das weitere Opfer fordert und – wen wundert es - mehr als nur ein schmutziges Polizeigeheimnis ans Licht bringt.

Zhou Haohui, 18/4 - Der Pfad des Rächers, Heyne, Broschur, 544 Seiten, ISBN ‎9783453425521, 13 Euro

(c) Magazin Frankfurt, 2022