Stengel, Vom Ende der Landwirtschaft

Viele dem Umweltschutz verpflichtete Bürger verzweifeln oftmal an der aktuellen Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung, wo oftmals Loyybinteressen bedient werden, statt die Umweltkrise endlich in den Griff zu bekommen. In ein paar Tagen soll das Bundeskabinett den Entwurf des Insektenschutzgesetzes beschließen. Doch die Chancen sehen nicht allzu rosig aus, da zuvor Kanzlerin Merkel erst den Streit zwischen ihrer Umweltministerin Schulze und Agrarministerin Klöckner befrieden müsste. Ob das gelingt, ist mehr als fraglich, erstens wegen der schwindenden Macht der Kanzlerin und zweitens weil die mächtige Lobby der Landwirte massiv bei der CDU/CSU interveniert, da für sie viel auf dem Spiel steht. Zusätzlicher Druck kommt auch aus den Bundesländern.

Der Entwurf von SPD-Frau Svenja Schulze ist bei der Union sehr umstritten. Im Dezember hatte man einen Kabinettsbeschluss wegen der Streitigkeiten abgesetzt und ihn für Februar auf die Agenda gesetzt, zusammen mit einem Entwurf der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung. Ziel ist es einen Rechtsrahmen für den Insektenschutz und die Reduktion des Einsatzes von Glyphosat zu erreichen. Den Landwirten und ihrer Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner zeichnet das Sorgenfalten auf die Stirn, da man vorerst weiter auf Glyphosat setzt. Dieser Woche versucht man eine Einigung. Ausgang offen.

Doch um Klimakrise und Artensterben in den Griff zu bekommen, sind radikale Änderungen erforderlich. Etwa die halbe Erde müsse dazu der Natur zurückgegeben werden, fordern Experten. Doch wie soll das gehen? »Indem wir die Landwirtschaft abschaffen!«, sagt Oliver Stengel, denn industriell betrieben, stellt diese ein riesiges Umweltproblem dar. Er entwirft eine provokante Zukunftsvision, in der Lebensmittel und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse aus dem Labor kommen - nicht als unappetitlicher Brei, sondern wie frisch vom Feld. Auf Äckern und Weiden darf sich dann die Natur wieder ausbreiten.

Oliver Stengel studierte Soziologie, Psychologie und Politik und arbeitet und forscht zu globalen Transformationen und nachhaltiger Entwicklung an der Hochschule Bochum. Auch seine bereits bei oekom veröffentlichte Dissertation »Suffizienz. Die Konsumgesellschaft in der ökologischen Krise« gewann zwei Forschungspreise.

Oliver Stengel, Vom Ende der Landwirtschaft - Wie wir die Menschheit ernähren und die Wildnis zurückkehren lassen, oekom, Broschur, 240 Seiten, ISBN 978-3-96238-207-0 20 Euro

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(c) Magazin Frankfurt, 2021