Mozart/Myslivecek, Flötenkonzerte de la Vega

Mozart/Myslivecek, Flötenkonzerte, de la Vega

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Mozart war nicht gerade ein Flötenfan, dennoch konnte er nicht immer wählerisch sein, wenn er einen Kompositionsauftrag eines seiner Mäzene erhielt. Seine Abneigung wird dennoch deutlich, denn von den "3 kleinen, leichten und kurzen Concertln und ein Paar quattro auf die flötte", die der in Asien zu Reichtum gelangte niederländische Mediziner und Hobbyflötist Ferdinand Dejean, den er bei dem gemeinsamen Freund Johann Baptist Wendling, Flötist der Mannheimer Hofkapelle, kennengelernt hatte, bei ihm in Auftrag gab, lieferte Mozart zwei Monate später im Februar 1778 nur einen Teil und bekam folglich auch nur das halbe Honorar: 96 Gulden. Mozart war selbst nicht glücklich mit den beiden Flötenkonzerten.

Zumindest dann, wenn man das Spiel der jungen australischen Flötistin Ana de la Vega, die mit ihrer Familie in Hannover wohnt und zu den international beliebtesten Solisten für die Querflöte gehört, kann man Mozarts Selbstzweifel gar nicht verstehen, denn hier liefert der Komponist mit dem ersten Flötenkonzert in G-Dur ein für ihn so typisches einfallsreiches und anspruchsvolles Konzert, das zu den Highlights seiner Gattung gehört.

Die in Australien geborene Tochter britisch-argentinischer Eltern war durch Mozarts Konzert für Flöte und Harfe in der Aufnahme mit Jean Pierre Rampal an ihr Instrument geführt worden und studierte nach ersten Studien in Sydney in Paris bei Raymond Guiot und Catherine Cantin. Der große Rampal war leider schon zwei Jahre bevor sie nach Paris kam gestorben. Nach dem Studium war sie als Soloflötistin im Orquestra Sinfonica do Norte in Portugal engagiert. Man spürt die große französische Schule in ihrem Flötenspiel. Mit den von ihr gegründeten und geleiteten London International Players hat sie einige der vielversprechendsten jungen Musiker Europa vereint und gibt mit ihnen Konzerte. Man spürt den langen Atem, mit der Ana de la Vega die eingängigen Melodien bläst, wenn sie warm und flexibel den jeweiligen Charakter der einzelnen Sätze herausarbeitet.





Mozarts zweites Flötenkonzert in D-Dur ist eigentlich nur eine Bearbeitung seines Oboenkonzerts. Mozart hatte es sich leicht gemacht und transponierte es nur von C-Dur nach D-Dur. Einige kleinere Änderungen machten es dem Charakter des geänderten Instruments gerecht. Auch dies war sicherlich ein Grund für die halbierte Zahlung seines Auftraggebers, der das Ursprungskonzert kannte. Dabei hätte Dejean eigentlich hoch zufrieden mit dem Ergebnis der Transkription sein müssen, denn das jetzt zum Flötenkonzert mutierte Werk sprüht geradezu vor Temperament und Einfällen und wenn man das Spiel der jungen Flötistin hört ist man beeindruckt von der Frische und Lebendigkeit. Eigentlich nur eine Bearbeitung war es doch lange Zeit DAS Werk des KV 314, denn das ursprüngliche Oboenkonzert blieb lange Zeit verschollen, bevor es Mitte des letzten Jahrhunderts als „Original“ des Flötenkonzerts identifiziert wurde.

Sehr gelungen werden die Werke mit dem exakt spielenden English Chamber Orchestras unter Leitung der Geigerin Stephanie Gonley, mit der Ana de la Vega schon seit 2010 zusammenarbeitet.

Doch man darf nicht ein weiteres Highlight des Albums vergessen: das Flötenkonzert Josef Mysliveceks, eines Zeitgenossen Mozarts, den dieser von Besuchen kannte und schätzte. Kein anderer Musiker wird öfter in seinen Briefen erwähnt. Heute ist das umfangreiche Werk des Barock-Komponisten fast vergessen. Auch der aus Prag stammende Myslivecek hatte viel geschrieben: 28 Opern, reichlich Kammermusik und Sinfonien, Messen, Oratorien, Kantaten und Klaviermusik. Nach einer Syphilis-Erkrankung mit entstellender Gesichtslähmung starb er verarmt und vergessen in Rom. Sein virtuoses Flötenkonzert galt als verschollen und wurde von Ana de la Vega in Tschechien in einer Bibliothek wiederentdeckt. Es ist weniger anspruchsvoll als Mozarts Flötenkonzert, aber angenehm und durchgängig komponiert und Ana de la Vegas lässt die Töne leicht entströmen und macht uns neugierig auf weitere Werke des Komponisten. Insgesamt: eine höchst spannende Einspielung.

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(c) Magazin Frankfurt, 2018