Oeconomia

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(c) good!movies

Für viele Menschen ist die Wirtschaft im Laufe des vergangenen Jahrhunderts zunehmend unverständlich geworden. Das ist nachvollziehbar, denn unser Wirtschaftssystem hat sich Schritt für Schitt unsichtbar gemacht und entzieht sich so für die meisten Menschen dem Verstehen. Besonders in diesem Jahrtausend blieb uns oft nicht viel mehr als ein diffuses und unbefriedigendes Gefühl, dass irgendetwas schiefläuft. Aber was?

Der Dokumentarfilm OECONOMIA legt die Spielregeln des Kapitalismus offen und macht in episodischer Erzählstruktur sichtbar, dass die Wirtschaft nur dann wächst, dass Gewinne nur dann möglich sind, wenn wir uns verschulden. Jenseits von distanzierten Phrasen der Berichterstattung, die ein Verstehen des Ungeheuerlichen letztlich immer wieder verunmöglichen, macht sich der Film mit viel Scharfsinn und luzider Stringenz daran, den Kapitalismus der Gegenwart zu durchleuchten. Erkennbar wird ein Nullsummenspiel, das uns und unsere ganze Welt in die Logik einer endlos fortwährenden Kapitalvermehrung einspannt – koste es was es wolle. Ein Spiel, das bis zur totalen Erschöpfung gespielt wird und vielleicht kurz vor seinem Ende steht.

Schon mit ihrem preisgekrönten Dokumentarfilm „Work Hard – Play Hard“ setzte sich die Regisseurin Carmen Losmann 2011 mit den Wirkungen des modernen Human Ressource Managements auseinander. In ihrem neuen Film, der auf der Berlinale 2020 seine Premiere feierte und von der Kritik hoch gelobt wurde, setzte sie ihre eindringlichen Recherchen zu den zerstörerischen Grundlagen unseres Wirtschaftssystems fort und öffnet den Blick jenseits der gängigen Erklärungsmuster und Dogmen auf den Nucleus eines hochexplosiven Systems: Der Schuldner als zentraler Akteur.

Ein Film von brennender Aktualität.Die 42-jährige Carmen Losmann stammt aus Crailsheim und wuchs in Hohenlohe auf. Auf ein dreijähriges Studium in Köln und England (Bachelor of Arts Marketing) folgte ein Studium an der Kunsthochschule für Medien Köln mit Diplom-Abschluss im Fachbereich Film. Sie debütierte mit dem abendfüllenden Dokumentarfilm WORK HARD PLAY HARD und gewann damit zahlreiche Preise wie den Grimme-Preis. Für OECONOMIA erhielt sie das Gerd-Ruge- Stipendium. Angefangen hat es mit harmloser Neugier: Nach der Finanzkrise wollte sie die Phänomene unseres Wirtschaftssystems verstehen. Ihr erzählerischer Versuch, die Zusammenhänge des Kapitalismus über dessen Akteure begreifbar zu machen, erwies sich als schwierig bis unmöglich. Dadurch war sie gefordert, sich über andere Wege und Bilder der Frage zu nähern, woraus denn eigentlich die Triebfedern für Wirtschaftswachstum, Verschuldung und Vermögenskonzentration bestehen. Das ist ihr gut gelungen. Sie lebt und arbeitet in Köln und Templin.

Oeconomia, good!movies, digital/DVD, 86 Minuten, EAN 4009750203750, ab 4,99 €

Rechtlicher Hinweis DVD

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(c) Magazin Frankfurt, 2021