Das Goldene Zeitalter in Abu Dhabi

Rembrandt, Selbstporträt

(c) Leiiden Collection New York

Das Goldene Zeitalter

Im sogenannten „Goldenen Zeitalter“ gelang es der Republik der Vereinigten Niederlande sich zur führenden Handelsmacht in der Welt aufzuschwingen. Die spanische Armada war durch die Engländer zerstört, die macht der Hanse weitgehend gebrochen. Günstige Voraussetzungen, um sich mit den Schiffen immer weiter in die Welt vorzuwagen, Kolonien in Amerika, Afrika und Asien zu gründen und damit einen Reichtum zu schaffen, der es dem kleinen Land ermöglichte auch in Sachen Wissenschaft und Kunst eine führende Position einzunehmen.

Die Arabische Halbinsel blieb davon weitegehend unberührt. Nur im Jemen und im irakischen Basra richtete man niederländische Handelsposten ein.

Doch das Interesse der Menschen dort an der Kultur des 17. Jahrhunderts der Niederlande ist groß. Vor diesem Hintergrund des kulturellen Austauschs und der Erkundung und Entdeckung künstlerischen Neulands beleuchtet jetzt eine Ausstellung im Louvre Abu Dhabi die Kunsttradition, die während dieser Zeit in Leiden und in den gesamten Niederlanden florierte – so auch die Entstehung einer neuen Schule von Künstlern, den sogenannten fijnschilders (Feinmalern), die vor allem für ihre hervorragenden Darstellungen von Szenen des Alltagslebens bekannt sind.

Vermeer, Die Spitzenklöpplerin

(c) Louvre Paris

Die Ausstellung im Louvre Abu Dhabi

In der Ausstellung, die zuvor schon in anderer Zusammensetzung in Paris, China und Russland zu sehen war, werden 22 verschiedene Gemälde und Zeichnungen aus Rembrandts Karriere und Atelier gezeigt – von seiner berühmten frühen Serie allegorischer Gemälde der fünf Sinne, die die jugendliche Genialität und Experimentierfreude des Künstlers bei Ausdrucksweise, Bildkomposition und Farbauswahl während seiner Leidener Zeit verdeutlichen, bis hin zu seinen späteren, in Amsterdam entstandenen Werken, wie etwa einfühlsam gemalten Portraits oder einem berühmten Selbstportrait, dem Selbstbildnis mit Samtbarett, und seinem monumentalen Historiengemälde Minerva von der Göttin Minerva (beide aus der Leiden Collection). Diese Werke werden zusammen mit Gemälden anderer Meister aus Rembrandts Künstlerkreis ausgestellt und zeigen den Einfluss, den die Künstler dieser bemerkenswerten Gruppe gegenseitig auf ihre Arbeit hatten.

Bei der außergewöhnlichen Ausstellung werden erstmals seit 300 Jahren Johannes Vermeers „Junge Frau am Virginal“ aus der Leiden Collection und „Die Spitzenklöpplerin“ aus dem Louvre) – beide auf Leinwand aus demselben Ballen entstanden - nebeneinander hängen. Die meisten der insgesamt 95 Werke stammen aus der privaten Leiden Collection, einer der weltweit größten und bedeutendsten privaten Sammlungen von Kunst aus dem Goldenen Zeitalter, aber auch besondere Stücke aus dem Bestand des Louvre, die durch Leihgaben aus dem Amsterdamer Rijksmuseum und der Bibliothèque Nationale de France vervollständigt werden.

Rembrandt, Büste eines bärtigen Alten

(c) Leiden Collection New York

Zum "Jahr der Toleranz"

Die Ausstellung startet am Valentinstag und ist bis zum 18. Mai 2019 zu sehen. Seine Exzellenz Mohamed Khalifa Al Mubarak, der Vorsitzende des Department of Culture and Tourism – Abu Dhabi, freut sich bereits auf die Ausstellung: „Die ersten Anfänge und der frühe Erfolg des Louvre Abu Dhabi gründen auf unserer engen Freundschaft mit Frankreich und den vielfältigen Partnerschaften mit Museen und Kunsteinrichtungen in aller Welt. Im Jahr 2019 feiern die VAE das Jahr der Toleranz, um unsere lange Tradition der Förderung einer Kultur der Offenheit und des Austauschs zu würdigen. Die Ausstellung „Rembrandt, Vermeer und das Goldene Zeitalter“ verdeutlicht nicht nur die Wichtigkeit einer grenzüberschreitenden kulturellen Zusammenarbeit, sondern auch, dass die Kreativität von Künstlern seit jeher ein Herzstück bedeutender historischer Momente gewesen ist.“

Manuel Rabaté, der Direktor des Louvre Abu Dhabi betont: „Es ist das allererste Mal, dass eine so populäre Ausstellung der niederländischen Meister in die VAE kommt, und es ist von ganz besonderer Bedeutung, dass zwei aus demselben Stück Leinwand stammende Vermeer-Gemälde nebeneinander hängen werden. Ich möchte dem Musée du Louvre und der Leiden Collection danken, dass sie dies ermöglicht haben.” Louvre-Chef Jean-Luc Martinez ergänzt: „Die große Vielfalt des Publikums aus den Emiraten, aus Europa und vom indischen Subkontinent sowie das Erstaunen, das wir in den Gesichtern der Besucher sehen, bestätigen das Engagement des Louvre Abu Dhabi, der Welt einen Einblick in die universelle Geschichte der Kunst zu bieten.

Die Leiden Collection wurde von Thomas S. Kaplan und seiner Ehefrau Daphne Recanati Kaplan zusammengestellt und ist absolut einzigartig: Sie war bereits weltweit zu sehen und hat nun ihren Weg von Paris über Shanghai und St. Petersburg nach Abu Dhabi gefunden.“

Lara Yeager-Crasselt, Kuratorin der New Yorker Leiden Collection kommentiert: „Bei der Ausstellung geht es vor allem darum, zwei Geschichten zu erzählen: Rembrandts Entwicklung als Künstler und die Entwicklung der Genremalerei im Holland des 17. Jahrhunderts. Mit den Werken aus dem Louvre bieten sie dem Besucher einen einzigartigen Einblick in die Dynamik des künstlerischen Austauschs, der die Kunst des Goldenen Zeitalters prägte, und ermöglichen es, Rembrandts Karriereweg von Leiden bis zur Blütezeit in Amsterdam zu verfolgen, wo er Schüler und Kollegen zu Innovationen anregte.“

Sammler Thomas Kaplan stellt fest: „Meine Familie betrachtet den Louvre Abu Dhabi als die wichtigste Kulturinitiative unserer Generation – und diese Ausstellung von Schätzen des Goldenen Zeitalters als unser größtes ‘Herzensprojekt‘. Durch die Ausstellung in Abu Dhabi bringen wir unsere Verbundenheit mit Frankreich sowie unsere enge Beziehung zu den Emiraten zum Ausdruck. Wir glauben, das Rembrandt mit seiner Fähigkeit, die Seele der Menschen zu berühren, besser zu diesem visionären Projekt zwischen Frankreich und den Emiraten passt, bei dem es um die Förderung der Toleranz geht.“

Weitere Informationen zur Ausstellung (www.louvreabudhabi.ae) und zu Abu Dhabi (www.visitabudhabi.ae). Michael Ritter

(c) Magazin Frankfurt, 2018