Katastrophe - Was kommt nach dem Ende?

Filmstill The Day after Tomorrow

Mit freundlicher Genehmigung von Twentieth Century Fox. Alle Rechte vorbehalten.

Nur noch die Spitze des Empire State Buildings ragt aus einer Eiswüste, Los Angeles liegt in Trümmern, der Luxusdampfer treibt rumpfaufwärts: Der Katastrophenfilm steht im Mittelpunkt der neuen Ausstellung KATASTROPHE. Was kommt nach dem Ende? im Deutschen Filmmuseum.

Die Auslöschung der Menschheit, des Lebens auf der Erde, die völlige Vernichtung der Tier- und Pflanzenwelt durch eine menschengemachte oder naturgegebene „Katastrophe“ – dieses Szenario fasziniert seit Jahrzehnten Filmemacher in aller Welt und mit ihnen Millionen Kinobesucher, die sich immer wieder aufs Neue von den inszenierten Katastrophen begeistern lassen. Atomkriegsvisionen wie in Stanley Kramers ON THE BEACH (US 1959) gehören zum Repertoire – neben Erdbeben (ZEMLETRYASENIE – EARTHQUAKE, AM 2016), Vulkanausbrüchen (GLI ULTIMI GIORNI DI POMPEII, IT 1959) Bedrohungen aus dem Weltall (DEEP IMPACT, Mimi Leder, US 1998) und in jüngerer Zeit auch klimawandelinduzierte Szenarien wie in THE DAY AFTER TOMORROW (Roland Emmerich, US 2004). Was fesselt uns an der Katastrophe? Es mag die widersprüchliche Faszination zwischen dem überwältigenden Ereignis und der Furcht vor ihrer Unkontrollierbarkeit sein.

Die Vorstellung einer Katastrophe beflügelte Künstler:innen besonders seit der Renaissance, als Kritik an ihrer Gegenwart dystopische Zukunftsvisionen zu entwickeln – bis heute gilt, dass sich an ihren Endzeit-orientierten Kunstwerken viel über das Lebensgefühl einer Epoche ablesen lässt. Ob es sich um mittelalterliche Bibeldrucke, Flugblätter des 18. Jahrhunderts, Literatur des 19. Jahrhunderts oder Bewegtbildmedien des 20. Jahrhunderts handelt: Häufig spielen in der Entstehtungszeit relevante Ängste und Bedrohungen eine Rolle. Die Faszination zwischen dem überwältigenden Ereignis Katastrophe und der damit verbundenen Furcht kann im sicheren Rahmen des Kinos ausgelebt werden: Katastrophenfilme, Dystopien, Endzeitszenarien haben Konjunktur in wechselhaften Zeiten, mag es sich um die atomare Gefahr zwischen den 1960er und 80er Jahren handeln (THE LAST MAN ON EARTH (US 1964) und BRIEFE EINES TOTEN (UDSSR 1986)), die menschengemachten Katastrophen in den 1990er Jahren (TURBULENCE, THE FLOOD, TITANIC, VOLCANO) oder, angesichts weltweiter Auswirkungen menschlichen Handelns auf das Kima, die großformatigen Blockbuster des Weltuntergangsspezialisten Roland Emmerich (THE DAY AFTER TOMORROW (US 2004), 2012 (US / CAN 2009)).

(c) Magazin Frankfurt, 2021