Spannende Weine aus der Maremma

Clara und Elisabetta Geppetti von Le Pupille

(c) Michael Ritter

Wir sind gerade erst zurück aus der Maremma, um uns das schicke Weingut Ammiraglia der Marchesi Frescobaldi anzuschauen und den trendigen Rosé Alie zu verkosten. Doch auch sonst bietet die Maremma spannende Weingüter und erstklassige Weine.

Eines davon ist Le Pupille. Im toskanischen Dialekt benennt man damit die "Hügel". Und von denen hat die Maremma einige. Zwar ist damit eigentlich nur der flache Küstenstreifen mit dem ehemaligen von Malaria verseuchten Sumpfland zwischen dem Golf von Follonica und der Lagune von Orbetello am Monte Argentario gemeint, doch in Italien versteht man darunter heute auch die anschließenden Hügel. Auf einem davon bei Istia d'Ombrone östlich von Grosseto liegt die Fattoria von Elisabetta Geppetti.

Schon mit 17 Jahren hatte sie ihren Mann kennengelernt, dessen Familie das Anwesen besaß, das damals noch eine typische toskanische Farm mit Gemüse, Kühen und Schafen – und etwas Wein war. Als der Schwiegervater starb, übernahm sie - frisch von der Uni kommend - das abbruchreife Gehöft mit Herrenhaus und restaurierte es. Fünf Kinder hat sie in den folgenden Jahren zur Welt gebracht – vier davon Mädchen - und man merkt der Kunsthistorikerin die Passion und ihre Energie an, mit der sie die Weinberge auf inzwischen 80 Hektar ausweitete. Die Weine der Fattoria verbinden gekonnt Tradition und Moderne. 2006 ernannte sie der Feinschmecker zur Winzerin des Jahres – als erste Frau überhaupt.

Fattoria Le Pupille

(c) Michael Ritter

Die beliebte Maremma

Das Anbaugebiet Maremma ist in Italien beliebt, auch wenn sich der Morellino di Scansano im Vergleich zum Brunello, dem Vino Nobile di Montepulciano oder dem Chianti Classico zwar besser als Montecucco geschlagen hat, sich aber nie so recht hat durchsetzen können. Dabei haben Elisabettas Gepettis feinen Weine einen großen Anteil daran, dass dieses Anbaugebiet überhaupt wahrgenommen wurde. „Morellino di Scansano ist der einzige Wein, der die Tradition der Maremma widerspiegelt“, sagt sie. Die Menschen der Region nannten den Sangiovese schon immer Morellino und 1978 wurde so die älteste DOC der Region gegründet.

Inzwischen wird die Winzerin von Clara, ihrer ältesten Tochter, bei der Arbeit unterstützt. Elisabetta war Ende der 70er Jahre in jungen Jahren eines der Gründungsmitglieder des Consorzio del Morellino di Scansano und später lange dessen Präsidentin.

Mit der Hilfe des Önologen Giacomo Tacis pflanzte sie schon früh auch Cabernet Sauvignon und wurde damit zu einer Pionierin der Maremma. 1982 brachte sie mit dem 1978er Morellino Riserva den ersten offiziellen Wein auf den Markt. Seitdem steigt die Qualität der Weine kontinuierlich und auch der Ruhm des Weinguts. Neben Wein bringen die insgesamt 420 Hektar Land auf 20 Hektar auch Olivenöl hervor.

Robert Parker, der den Spitzenweinen des Weinguts gerne 95 Punkte und mehr verleiht, gilt als Fan der Winzerin. "Es gibt immer ein einzelnes Gesicht, das für eine Region steht. In der Maremma ist diese Person Elisabetta Geppetti."

Poggio Argentato vn Le Pupille

(c) Michael Ritter

Die Weine von Le Pupille

Das Land liegt verteilt über die Maremma verstreut. "La Signora del Morellino", so nennt man die rührige Gutsbesitzerin gern und so nennt sie sich auch selbst im Internet. Das Prunkstück des Hauses ist seit 1987 der aus einer Einzellage im Süden der Region stammenden Saffredi, den Tachis kunstvoll als "Supertuscan" kreierte. Meist Cabernet Sauvignon und Merlot mit etwas Syrah und Petit Verdot. Auch der aktuelle 2015er ist ein wahres Meisterwerk. Tiefes Rubinrot, schöne violette Reflexe begleiten den monumentalen Wein mit seinem großartigen Bouquet voller floraler und beeriger Aromen nach Lavendel und Cassis. Konzentrierte Frucht, weich, samtig und tief zeigt er eine komplexe Üppigkeit, schöne Tabakaromen und einen Abgang von exzellenter Länge.

Nicht weniger gut ist der reife und intensiv fruchtige Morellino di Scansano mit Sangiovese aus Gepettis Spitzenlage Poggio Valente. Schöne Frische verbindet sich dort mit angenehmen Tanninen zu gut ausbalancierter Eleganz. Elisabetta Gepetti hatte verschiedene Önologen für die Suche nach den optimalen weinen als Partner herangezogen. Nach Tacis und Riccardo Cotarella ist sein etlichen Jahren der Franzose Christian Le Sommer für die Weine zuständig.

Schaut man sich die Weine im unteren Segment der Produktion von Le Pupille an, so produziert sie mit dem Pelofilo, einem Rosso Toscano IGT aus einer Hälfte Sangiovese und dem Rest Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Syrah, zum Preis von € 8,50 einen recht eleganten Wein mit schöner dunkler Frucht und einem guten und kraftvollen Mundgefühl.

Nicht viel teurer ist der Basis Morellino di Scansano, dessen reifen roten Kirsch- und Beerenaromen gut ausbalanciert und fest gebunden sind und der schon jetzt viel Trinkspaß verursacht.

Da wir den Artikel mit dem Alie von Frescobaldis Ammiraglia begonnen hatten, darf der Rosé Rosa Mati von Elisabetta Gepetti nicht fehlen. Auch sie hat auf Syrah gesetzt, aber als dessen Partner Cabernet Sauvignon gewählt. Weniger trendig, aber für den Preis von knapp 10 Euro mit seinem fruchtig-floralem Bouquet ein angenehmer, nicht zu schwerer Wein mit schönen roten Beeren am Gaumen, genau richtig für vergnügten Trinkgenuss mit Freunden.

Ungewohnt für die Region und etwas an Südfrankreich erinnernd ist der Poggio Argentato, ein Bianco Toscano IGT. Le Pupille produziert ihn seit gut 20 Jahren und er passt mit seiner Frische und ausgewogenen Säure gut zur mediterranen Küche, wie Fisch und Risotto. Die Cuvée aus Gewürztraminer, Sauvignon Blanc, Semillion und Petit Manseng ist besonders durch letzteren Bestandteil interessant. Die ertragsschwache aber hochwertige Sorte mit den kleinen Beeren wird im Jurançon gerne für Süßweine verwendet und sorgt für eine pikante Säure. Der Wein kommt recht vielschichtig daher, verströmt eine feine Kräuternote und ist knackig frisch, elegant und mit frischen Zitrusaromen. Summa summarum ist Elisabetta Gepetti alles gut gelungen: das Weingut, die Weine und – soweit wir von Clara auf den Rest schließen können – der Nachwuchs.

Einige Weine von Le Pupille

(c) Michael Ritter

(c) Magazin Frankfurt, 2018