Praetorius/Meier-Gräwe, Um-Care

Prätorius/Meier-Gräwe, Umcare

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Eigentlich ist es ein Trauerspiel, das Care-Arbeit, also das Sich-Kümmern um Hausarbeit, Kindererziehung, Pflege, Freundschaften, um soziales und globales Miteinander weltweit nur wenig beachtet wird, obwohl diese Aufgaben »systemrelevant« sind und eigentlich in die Mitte ökonomischer Theorie und Praxis rücken sollten. Die Autorinnen Ina Praetorius und Uta Meier-Gräwe kritisieren in ihrem Buch ein Wirtschaftssystem, das diesen »unbezahlten Sektor« vollständig ignoriert, und eine Ökonomie, die sich noch immer primär um die Frage dreht, was zahlungskräftige Menschen sich leisten können.

»Wer sich um pflegebedürftige Alte kümmert, Kindern das Schreiben beibringt oder Haare schneidet, den oder die beschleicht angesichts der gängigen Erzählung vom Vorrang der Warenproduktion schnell einmal das ungute Gefühl, er oder sie produziere eine Art sozialen Luxus, der freundlicherweise von Auto- und Parkhausbauern mitfinanziert wird. Die Pandemie hat uns aber gelehrt, dass es sich umgekehrt verhält: Die nicht oder schlecht bezahlte Care-Arbeit in privaten Haushalten, im öffentlichen Dienst und in Unternehmen bildet das Fundament des Wirtschaftens.« sagt Uta Meier-Gräwe.

Die 67-jährige Ina Praetorius ist promovierte Theologin und arbeitet als postpatriarchale Sozialethikerin, freie Autorin und Referentin. Als wissenschaftliche Assistentin am Institut für Sozialethik der Universität Zürich und Lehrbeauftragte an zahlreichen Universitäten war sie Mitherausgeberin des »Wörterbuchs der Feministischen Theologie«. Im Jahr 2015 schrieb sie im Auftrag der Heinrich Böll-Stiftung den Essay »Wirtschaft ist Care« und gründete die in der Ostschweiz lebende Wissenschaftlerin in St. Gallen den gleichnamigen Think-Tank WiC e.V. Deutschland. Seit 1983 lebt sie in der Ostschweiz.

Ihre 70-jährige Koautorin Uta Maier-Gräwe ist Haushaltswissenschaftlerin und Soziologin und lehrt als Professorin em. für Wirtschaftslehre des Privathaushalts und Familienforschung an der Universität Gießen. Sie ist Sachverständige für den Siebten Familienbericht sowie Ersten und Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung, berät die Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin und leitete das Kompetenzzentrum Professionalisierung und Qualitätssicherung haushaltsnaher Dienstleistungen. Als Mitautorin des »Equal Care Manifests 2020« hat sie 2022 WiC e.V. Deutschland mitgegründet und lebt seit einigen Jahren in Freiburg.

Die beiden Autorinnen fordert, dass sich das Denken dringend ändern muss und Care-Arbeit und Natur zum Ausgangspunkt für ein zukunftsfähiges Wirtschaften werden muss. Denn es geht darum, wie acht Milliarden Menschen im verletzlichen Lebensraum Erde gut zusammenleben können. Ökosysteme geraten aus den Fugen, auf die zukünftige Generationen existenziell angewiesen sind. Ein Großteil der Menschen leisten täglich über zwölf Milliarden Stunden unbezahlte Sorgearbeit – während 2017 nur acht Personen mehr besaßen als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Die 60 kurzen Texte der beiden Expertinnen für Care-Ökonomie sind mal nüchtern analysierend, mal humorvoll, mal optimistisch stimmend, immer erhellend – und zeigen, wie und wo sich Auswege aus dieser seltsamen Unordnung finden lassen und eine lebenswerte Zukunft für alle denkbar wird.

Ina Praetorius/Uta Meier-Gräwe, Um-Care - Wie Sorgearbeit die Wirtschaft revolutioniert, Patmos Verlag, Broschur, 160 Seiten, ISBN 978-3843614412, 19 Euro

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(c) Magazin Frankfurt, 2023