Mishani, Nicht

Mishani, Nicht

(c) Diogenes

Erstmals stießen wir von gut zehn Jahren durch seinen ersten Band über den Polizeiinspektor Avi Abraham auf den heute 50-jährigen israelschen Autor Dror Mishani, der in seiner Heimatstadt Cholon bei Tel Aviv spielte und so ganz anders aufgebaut war, wie die meisten Kriminalromane. "Vermisst" lautete der Titel und handelte von einem vermissten Jugendlichen, bei dem der Inspektor anfangs icht an ein Verbrechen glaubt. Die Geschichte packte uns sofort und Mishani legte mit der Nummer 2 der Avi Abraham-Reihe "Die Möglichkeit eines Verbrechens" einen ähnlich virtuosen Folgeband vor. Er selbst nennt seine Reihe eine „literarische Krimi-Serie“, für die er zwar das Genre des Kriminalromans verwende, aber versuche Literatur zu schreiben, die über das Verbrechen hinausgeht, und „über die Gesellschaft, über Sprache, über Literatur, über das Genre an sich“ berichtet.Dabei zieht er den Vergleich zur Maigret-Serie von Simenon und möchte seinen Ermittler durchs ganze Leben begleiten.

Seine Romane sind in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt, und seine ›Avi Avraham‹-Krimis wurden mehrfach verfilmt.

Sein neues Buch berichtet über einen Mann in seinen Fünfzigern. Er hat offenbar nichts mehr zu verlieren, obwohl noch so viel vor ihm liegt. Die Kinder sind aus dem Haus, KI bedroht seine Arbeit als Übersetzer. Vor allem hat der Tod seiner Frau alles infrage gestellt. Eine solche Liebe, da ist er sich sicher, wird er kein zweites Mal finden. Bis ihm bei gemeinsamen Freunden eine Cellistin begegnet. Es entspinnt sich, so leicht, als ob es Vorsehung wäre, ein verheißungsvolles Verhältnis, und plötzlich steht wieder alles auf dem Spiel.

Dror Mishani, Nicht, Diogenes, Hardcover, 192 Seiten, ISBN 978-3257073881, 25 Euro

(c) Magazin Frankfurt, 2026