Schmuhl, Als Chemnitz noch Karl-Marx-Stadt war
Chemnitz liegt ein wenig am Rande. Dahinter liegt nur das Erzgebirge mit seiner Bergbautradition, das vor einigen Jahren zusammen mit dem Teil im benachbarten Tschechien als Montanregion Erzgebirge in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen wurde. Mit der Bahn ist die Stadt schwer zu erreichen. Von Leipzig aus bringt ein in die Jahre gekommener Bummelzug die Reisenden in gut einer Stunde in die neue Kulturhauptstadt. Nicht selten wird es eng im Zug, weil Waggons aus technischen Gründen nicht nutzbar sind. Während Erfurt, Halle, Dresden und Leipzig nach der Wiedervereinigung auch immer mehr Westdeutsche anzogen, blieb das "sächsische Manchester", wie es während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wegen der starken Rauch- und Schmutzentwicklung genannt wurde, vielen weitgehend unbekannt. Zu Unrecht! Das soll sich nun ändern, denn 2025 ist die drittgrößte Stadt Sachsens zur Kulturhauptstadt Europas gekürt worden und bietet ein buntes und vielfältiges Kulturprogramm. |
Neben diesen repräsentativen Bau- und Kunstwerken lenkt das spannende Buch den Blick aber auch auf die Hinterlassenschaften des Alltags. Neben dem weltberühmten Nischel und der Stadthalle samt Interhotel werden Werke namhafter DDR-Künstler, Brunnen und Plattenbauten vorgestellt. Aufgelockert wird der Stadtführer durch Erläuterungen zu vielen Aspekten des (sozialistischen) Lebens in Karl-Marx-Stadt und durch zehn überraschende Geschichten. Oder wissen Sie, was der ‚Heiße Draht‘ zwischen Moskau und Washington mit Karl-Marx-Stadt zu tun hat? |
(c) Magazin Frankfurt, 2026

