Alon Sariel, Vienna Mandolin Stories

Seit 2023 die Landesmusikräte Deutschlands die Mandoline zum Instrument des Jahres gekürt haben, scheint das Interesse an diesem beliebten Instrument noch einmal angestiegen zu sein. Schon ihr Name ruft Impressionen von südlicher Wärme und Überschwang hervor, doch sie bietet mehr als nur gezupfte folkloristische Atmosphäre. Vivaldi schrieb ein Konzert dafür und auch im deutschsprachigen Raum haben sie Mozart und Beethoven ebenfalls bedacht, wie Mahler und Schönberg. Die Mandolinenorchester als „Sinfonieorchester des kleinen Mannes“ waren bei deutschen Arbeitern sehr geliebt und mehr noch als die größere Gitarre passte sie für Wandervögel in jeden Rucksack. Schon vor 2023 hatte der Israeli Avi Avital das agile Zupfinstrument auch bei uns in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt, als er zeigte, dass sie auch Klezmer, Barock und zeitgenössische Klassik bereichern kann. Sein gleichaltriger Landsmann Alon Sariel kommt aus dem selben Ort Be’er Scheve im Süden Israels, den man als Hauptstadt der Mandoline kennt.

Nachdem Sariel vor einigen Tagen zusammen mit dem polnischen Cembalisten Marcin Świątkiewicz als Prelude zu den diesjährigen Göttinger Händel-Festspielen die italienische Idee der „sprezzatura“ präsentierte und souverän, stilsicher und unverstellt Werke des jungen Händel und Domenico Scarlatti, seines Counterparts bei einem Wettbewerb am Hofe des Kardinals Ottoboní präsentierte, bringt er jetzt mit "Vienna Mandolin Stories" sein erstes vollständiges Konzertalbum auf den Markt, das den Hörer auf eine Reise durch das Wien des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts mitnimmt.

Das Album enthält Werke für Mandoline und Orchester von Haydn, Mozart, Krähmer und Paisiello. Nur einige der Stücke wurden dabei ursprünglich für Mandoline komponiert. Viele andere hat Sariel wie schon zuvor in seinen Plucked Bach-Alben gekonnt adaptiert. Wie beim Konzert lebt auch das Album von Sariels einfallsreichem und spielerischem Ansatz. In "Haydns Mandolinenkonzert“ kombiniert er in einem fantasievollen Neuarrangement Sätze aus verschiedenen Konzertent, darunter eines von Malzat, das man lange Zeit fälschlicherweise Haydn zugeschrieb. Ein Höhepunkt ist die „Bluegrass“-Kadenz im langsamen Satz dieses Konzerts und die Anspielung auf Bachs Wohltemperiertes Klavier in seiner Bearbeitung von Mozarts Andante für Flöte und Orchester. Lobend erwähnt sein muss auch sein Bemühen "neue" Werke alter Komponisten wiederzuentdecken. Erst kürzlich fand man so n der Bayerischen Staatsbibliothek Ernest Krähmers Werke für Mandoline und Orchester, die hier zum ersten Mal aufgenommen wurden. Die Musiker der Kölner Akademie unter Leitung von Michael Alexander Willens liefern den idealen Klangteppich für die lebendigen und farbenreichen Werke.

Alon Sariel, Vienna Mandolin Stories, Pentatone, CD, 57 Minuten, ASIN B0D9QCMQMQ, 18,99 Euro

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