Gut essen im Vorarlberg
Nach sechzehn Jahren hat der renommierte Gastro- und Hotelführer Guide MICHELIN erstmals wieder Restaurants in ganz Österreich genau unter die Lupe genommen. Dabei wurden die klassischen Sterne vergeben, hinzu kamen die Kategorien Grüner MICHELIN-Stern für Nachhaltigkeit sowie der Bib Gourmand für ein besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. 15 Köchinnen und Köche in Vorarlberg durften bei der feierlichen Übergabe der Auszeichnungen im Salzburger Hangar-7 jubeln.
Castel Fragsburg
(c) Castel Fragsburg
Über zwei MICHELIN Sterne freuen sich zwei Restaurants in Lech am Arlberg: die Griggeler Stuba im Burg Vital Resort (Sebastian Jakob) und die Rote Wand mit ihrem Chef’s Table. Der dortige Küchenchef Julian Stieger erhielt zudem den exklusiven Young Chef Award. Die Jury lobte die „filigranen, präzisen und nie verspielten Gerichte“ des 31-Jährigen. Er selbst sagt: „Ehrlich gesagt, gestalte ich die Gerichte sehr unkonventionell. In den meisten Küchen wird gekocht und dann schön angerichtet. Bei uns wird das Gericht entworfen und dann gekocht.“ Sein Kollege Sebastian Jakob, der mit seiner Partnerin Annika seit eineinhalb Jahren in der Griggeler Stuba arbeitet, sagt: „Wir setzen bei unseren Gerichten nicht nur auf schwere Buttersaucen und Beurre Blanc, sondern dürfen auch mal einen Sud mit einarbeiten. Ein Beispiel wäre ein Wolfsbarsch mit Kürbis vom Vetterhof und Peperoni, der mit einem Sud aus Wolfsbarschkarkassen und entsaftetem Kürbis aufgegossen und mit kräftigen Aromen von Kaffirlimette und Limettenblättern abgeschmeckt wird“. |
Nachhaltigkeit und faire Preise |
Oma Oswalds Apfelkuchen
(c) Landromantik Hotel Oswald
Zweifach prämiert
Drei Betriebe im Bregenzerwald waren doppelt erfolgreich. Neben dem Bib Gourmand brachte Franziska Hiller einen Grünen Stern in den Schwanen nach Bizau. Die gleiche Kombination gelang der Krone mit ihrem Chefkoch Michael Garcia-Lopez. Dietmar Nussbaumer, Kronen-Gastgeber in dritter Generation, freut sich: „Nur mit guten Produkten können wir Gutes machen. Wir beziehen unsere Waren größtenteils aus Betrieben, die so klein sind wie wir“, erklärt er. Die Ladenwirtschaft „Ernele“ im Hotel Schiff in Hittisau mit Küchenchef Felix Groß wurde ebenso sowohl mit dem Grünen Stern als auch dem Bib Gourmand ausgezeichnet. |
Apfel-Zirben-Sorbet im My Arbor
(c) My Arbor
Vorarlberg ist das westlichste Bundesland Österreichs und bekannt für seine hervorragende Küche, die von regionalen und saisonalen Produkten geprägt ist.
Berühmt ist der Vorarlberger Bergkäse, denn Sie in einer Käseplatte oder in traditionellen Gerichten wie Käsespätzle probieren können. Auch der Sura Kees, ein traditioneller Sauermilchkäse, der ähnlich dem Handkäs mit Musik oft mit Zwiebeln und Essig serviert wird, lohnt den Vergleich mit Frankfurt.
Bei den traditionellen Gerichten stehen Käsknöpfle als klassisches Vorarlberger Gericht oft ganz oben auf der speisekarte. Ähnlich wie Käsespätzle werden sie oft mit Röstzwiebeln und Apfelmus serviert. Riebel ist ein traditionalles Maisgericht, das süß oder herzhaft zubereitet wird, oft schon zum Frühstück oder später als Beilage. Bei den Suppen müssen Sie die Flädlesuppe probieren. Die klare Suppe mit in Streifen geschnittenen Pfannkuchen serviert man im Vorarlberg gerne als Vorspeise. Duerch den angrenzenden Bodensee sind auch die Fischgerichte in dem Bundesland sehr beliebt.
Auf die wohlschmeckenden Bodenseefelchen, die für lange Zeit das Hauptgeschäft der Bodenseefischer waren, werden Sie vermutlich verzichten müssen. Früher gab es sie aus dem See gefangen und gebraten oder geräuchert serviert. Leider hat der Bestand der Felchen seit den 1970er Jahren abgenommen. Durch den zunehmenden Schutz vor Verschmutzung hat im See das seit den 1950ern durch Phosphate verursachte Wachstum von Algen und Plankton wieder abgenommen, was sowohl Bestand wie Körpergröße von Bodenseefelchen verminderte, die sich davon ernähren. Den Ausgleich bilden die angewachsenen Barsch-Bestände. Galten die Bodenseefelchen 2009 für die Weltnaturschutzunion IUCN als nicht gefährdet, hat sich die Lage inzwischen verschlechtert und der Bestand ging in den letzten Jahren bedrohlich zurück. Die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) setzte deshaln seit Anfang 2024 ein absolutes Fangverbot durch. In anderen Teilen Österreichs nennt man den Fisch Renke oder Reinanke, weiter oben im Norden Deutschlands Maräne. Eine gute Alternative ist sicherlich ein Fisch aus den Gebirgsbächen der Region: die Forelle. Natürlich kann man sie auch für den Gourmetgenuss verfeinern, aber sehr gut schmeckt sie auch einfach zubereitet mit Butter und Zitrone.
Bei den Fleischgerichten serviert man gerne Rindsrouladen gefüllt mit Speck, Gurke und Zwiebel zusammen mit Rotkraut und Knödeln oder in der Jagdsaison schmackhafte Wildgerichte von Reh, Hirsch oder Wildschwein mit Preiselbeeren und den allgegenwärtigen Knödeln. Zum Abschluss lohnt ein süßes Dessert, wie Mohnzelten, ein süßes Gebäck mit Mohnfüllung, das man oft auch nachmittags zu Kaffee oder Tee serviert oder ein Schwarzbeerkuchen, denn so nennt man hier die Blau- oder Heidelbeeren aus den Bergen der Region.
Getrinken wird oft deftig. Eines der lokalen Vorarlberger Biere wie Fohrenburg oder Mohren und dazu einer der hochwertigen Obstbrände aus der Region, die man aus dem dort wachsenden Obst destilliert. Besuchen Sie lokale Bauernmärkte oder Hofläden, um frische, regionale Produkte direkt von den Erzeugern zu kaufen. Hier finden Sie oft Käse, Wurst, Brot und Gemüse aus der Region. Sie werden feststellen, dass der Vorarlberg eine reiche kulinarische Landschaft bietet, die von der Natur und den Traditionen der Region geprägt ist. Guten Appetit!
(c) Magazin Frankfurt, 2026


