Salomonische Weisheit als Oratorium
Solomon
(c) Alciro Theodoro da Silva
Händels Solomon ist eine der zentralen Produktionen der diesjährigen Göttinger Händel-Festspiele. Nach einer Premiere in der Hamburger Elbphilharmonie eröffnete sie gestern unter der Leitung von George Petrou am Pult des FestspielOrchesters Göttingen mit dem NDR-Vokalensemble die diesjährigen Festspiele. Salomon gilt als Ideal weiser und harmonischer Herrschaft. Petrou und Festspiel-Intendant Jochen Schäfsmeier schafften es mit einer raffinierten Besetzung diese alten Ideale einer guten Herrschaft auch in einer Zeit wieder zum Leben zu erwecken, in der sie weltweit in weiter Ferne gerückt zu sein scheinen. So wurde es zu einem emotional mitreißenden Abend. Die lebhafte Instrumentalpassage im dritten Akt für zwei Oboen und Streicher, die man als "Die Ankunft der Königin von Saba" feiert kennen nicht nur Barockfans als musikalische Untermalung der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele 2012 in London. |
Dabei zeigte sie eine beeindruckende Bandbreite an Emotionen. Während sie sich als Tochter des Pharaos und Gattin Salomons feierlich und liebevoll mit ihrem Gatten austauscht und dessen Weisheit lobt, muss sie im zweiten Akt die undankbare Rolle der zweiten Hure übernehmen, die zu Unrecht um das Kind streitet und auch dessen Zweiteilung und Tötung billigt. In dieser Rolle wirkt sie rau, flehend und voller Dringlichkeit, während sie ihrer Rolle als Nicaule, der Königin von Saba, volle dramatische Tiefe verleiht, mit der sie ihre Bewunderung für den großen König preist. |
Bei der anderen wichtigen weiblichen Partie musste Francesca Lombardi Mazzulli gleich in drei Figuren schlüpfen: als Gattin Salomons und Königin Israels im 1. Akt, als zweite Hure im 2. Akt und als Königin von Saba im letzten Akt. Dabei zeigte sie eine beeindruckende Bandbreite an Emotionen. Während sie sich als Tochter des Pharaos und Gattin Salomons feierlich und liebevoll mit ihrem Gatten austauscht und dessen Weisheit lobt, muss sie im zweiten Akt die undankbare Rolle der zweiten Hure übernehmen, die zu Unrecht um das Kind streitet und auch dessen Zweiteilung und Tötung billigt. In dieser Rolle wirkt sie rau, flehend und voller Dringlichkeit, während sie ihrer Rolle als Nicaule, der Königin von Saba, volle dramatische Tiefe verleiht, mit der sie ihre Bewunderung für den großen König preist. |
Gut gefiel uns auch Carlotta Colombo in der wichtigen Rolle der Ersten Hure, die im deutlichen Kontrast zu der von Francesca Lombardi Mazzulli dargestellten zweiten Frau steht. Mit hellem und eindrucksvollen Sopran verwehrt sie sich gegen das in den Raum gestellte Urteil Salomons, das Kind zweizuteilen und akzeptierte lieber dessen Abgabe an die Zweite Hure. In den weitere Nebenpartien sang Isaak Lee den Palastdiener, der den Streit der beiden Frauen klar und ohne Pathos an Salomon vermittelte, während der Bariton Armin Kolarczyk der Rolle des für den Tempeldienst zuständigen Leviten in den beiden rahmenden Akten voller Schwere und Bedeutung verlieh. |
(c) Magazin Frankfurt, 2026
