Stete Veränderung und Weiterentwicklung – so können 75 Jahre Bad Hersfelder Festspiele überschrieben werden. Dieses Jahr feiern die Festspiele dieses bedeutende Jubiläum. Seit ihrer Gründung haben sich die Festspiele in der historischen Stiftsruine immer weiterentwickelt, Herausforderungen gemeistert und zahlreiche Erfolge geprägt. Dieses Jubiläum ist nicht nur ein Moment des Feierns, sondern auch eine Gelegenheit, die Geschichte, die Menschen und die besonderen Meilensteine zu würdigen.
Die Geschichte der Bad Hersfelder Festspiele begann im Sommer 1951, in den Mauern der historischen Stiftsruine. Der besondere Zauber der größten romanischen Kirchenruine Europas hatte jedoch bereits im 19. Jahrhundert die Hersfelder Bürgerinnen und Bürger bewogen, diesen außergewöhnlichen Ort für Konzerte, Feiern, Lesungen und Theateraufführungen zu nutzen.
Seitdem locken eindrucksvolle Aufführungen und Schauspieler-Ensembles jedes Jahr viele Zehntausend Menschen aus der Region, aus ganz Hessen und darüber hinaus nach Bad Hersfeld, um Theater- und Musicalaufführungen in unvergleichlicher Umgebung zu genießen. Renommierte Regisseurinnen und Regisseure, Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben hier zusammengewirkt und tun es noch.
Verein gründet Festspiele
Erster Intendant bis 1959 war der Salzburger Johannes Klein, ein Schüler Max Reinhardts. Mit ihm zusammen gründete der Verein „Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine“ die Festspiele nach dem Vorbild der Mysterienspiele von Salzburg. Klein nutzte seine Verbindungen und holte unter anderem Stars seiner Zeit wie Paula Wessely, Attila Hörbiger, Elisabeth Flickenschildt oder Ida Ehre nach Bad Hersfeld. Eine eigens komponierte Festspielfanfare von Hans Petsch, Mit-Initiator, Komponist und musikalischer Leiter in den ersten Jahren der Festspiele, kündet noch heute vom Beginn der Vorstellungen.
„Jedermann“ und „Das Salzburger Große Welttheater“ waren zunächst die bevorzugten Stücke in der Stiftsruine. Doch schon 1952 wagte Intendant Johannes Klein mit „König Ödipus“ eine zusätzliche Inszenierung. Nach und nach wurde das Programm ausgebaut und 1954 wurde das „Stück der Stücke“ – FAUST I“ von Johann Wolfgang von Goethe aufgeführt. |
„Faust II“ feierte 1966 zum ersten Mal in der Stiftsruine Premiere. Seither haben sich die Bad Hersfelder Festspiele mit einem Mix aus Klassikern der Weltliteratur, Komödien und Musicals eine große Fangemeinde nicht nur in der Region erobert.
Mehr als ein Jahrzehnt wurde in der Stiftsruine als ehedem sakralem Raum nicht applaudiert. Dies änderte sich erst Mitte der 60er Jahre, als die Künstlerinnen und Künstler mit Beifallsbekundungen während und nach den Aufführungen belohnt wurden.
Visionäre Dachkonstruktion
Seit 1968 sitzt das Publikum zudem im Trockenen: Das architektonisch einmalige, bewegliche Zeltdach umspannt den Zuschauerraum sowie den Orchestergraben auf der Vorbühne. Die Konstruktion durfte an keiner Stelle das Gebäude berühren. Mit seinem visionären Entwurf gewann Frei Otto, einer der inzwischen bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts, den von der Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine ausgeschriebenen Ideenwettbewerb. Die Enden der weißen, rund 1500 qm großen Dachhaut bewegen sich an 21 Elektromotoren befestigt über 14 netzartig aufgespannte Drahtseile, die wiederum an einem 36 Meter hohen Mast befestigt sind.
Nicht immer saßen die Zuschauerinnen und Zuschauer so angenehm wie heute. Statt auf gepolsterten Klappsesseln, die man inzwischen auf der ansteigenden Tribüne vorfindet, machte man es sich anfangs ebenerdig, auf von Brauereien ausgeliehenen Biergartenstühlen bequem. Die Stadt Bad Hersfeld ist Träger der Festspiele und mit heutzutage rund 100.000 Gäste ist das Festival längst ein wichtiger Bestandteil der kulturellen Identität, aber auch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor für die Stadt. Menschen aus der Region, dem Bundesland Hessen und dem gesamten Bundesgebiet planen Besuche oft auch mit mehrtägigen Aufenthalten ein. Die Darstellerinnen und Darsteller leben ab Probenbeginn im Mai bis zur letzten Vorstellung im August in der nordhessischen Kleinstadt und gehören temporär zum Leben und Stadtbild in Bad Hersfeld.
Informationen über die einzelnen Veranstaltungen vom 26. Juni bis 16. August 2026, die Schauspieler und verfügbare Restkarten finden Sie auf der Website der Festspiele. |