Mina, Die große Hitze
Die 60-jährige Denise Mina stammt aus Glasgow, wuchs aber wegen der Tätigkeit ihres Vaters als Ingenieur durch den Nordsee-Ölboom der 1970er Jahre an mehr als 20 Orten überall in Europa auf, von Paris über Den Haag und London bis nach Schottland und Bergen. Mit sechzehn brach sie die Schule ab arbeitete für kleines Geld in einer Fleischfabrik, als Bardame, Küchenhilfe und Köchin bis sie schließlich eine Anstellung als Pflegehelferin für geriatrische und palliativmedizinische Patienten fand. Nachdem sie mit 21 alle Prüfungen absolviert hatte, begann sie ein Jurastudium an der Universität Glasgow. Anschließend forschte sie an der Strathclyde University über psychische Erkrankungen weibliche Straftäter und unterrichtete auch Kriminologie und Strafrecht. Ein Stipendium missbrauchte sie dafür zu Hause zu bleiben und dort ihren Erstling „Garnethill“ schrieb anstatt zu studieren. Doch nachdem das Buch den John Creasy Dagger der Crime Writers’ Association für den besten ersten Kriminalroman begann war ihr weiterer Weg vorgezeichnet. |
Jetzt kommt ihr neuestes Buch auf den deutschen Markt, das Ariadne-Verlegerin Else Laudan wieder einmal sehr einfühlsam und gekonnt übersetzt hat. Es entführt und ins Los Angeles des Jahres 1938. Dort arbeitet Philip Marlowe, Raymond Chandlers Inbegriff und Ursprung des hartgesottenen Detektivs, den Denise Mina kenntnisreich auferstehen ließ und sucht im L. A. der Hütten und Paläste nach einer Wahrheit, mit der er leben kann. Denn Marlowe misstraut dem millionenschweren alten Patriarchen, dessen verschwundene Erbin er suchen soll. Kann sein, dass das seine Prioritäten ein bisschen verzerrt. Aber irgendwie muss auch die Miete reinkommen. Marlowe ist Illusionen abgeneigt, hat Leere in der Tasche, dafür aber Neugier im Herzen. Auch bei Minas neuem Buch kann man sich gut Haumphrey Bogart, den wohl bekanntesten Darsteller des Detektivs vorstellen. Schon vorher gab es vom Raymond Chandler Estate autorisierte Romane über Chandlers großen Detektiv, auch »Die große Hitze« erhielt die Autorisierung. Die Kollegen vom Wall Street Journal hat Minas Arbeit gelobt: »Wie Mina diese Zeit und den Schauplatz heraufbeschwört, ist sensationell. Die chandleresken Pointen sorgen für passenden Witz. Mit seinen lebenssprühenden Szenarien und treffsicheren Dialogen ist dies das bisher reizvollste und überzeugendste Marlowe-Pastiche von allen.« |
(c) Magazin Frankfurt, 2026

