Herrmann, Geld als Waffe
Herrmann, Geld als Waffe
(c) Kiepenheuer&Witsch
Die Journalistin Ulrike Herrmann ist heutzutage ein gern gesehener Gast in vielen Talkshows, in denen sie fach- und sachkundig ihre Meinung teilt. Geboren 1964 in Hamburg hat sie nachd er Ausbildung zur Bankkauffrau die Henri-Nannen-Schule absolviert und Philosophie und Geschichte studiert. Seit einem guten Vierteljahrhundert ist sie Wirtschaftskorrespondentin der taz und hat nebenbei zahlreiche SPIEGEL-Bestseller verfasst, zuletzt das in zahlreiche Sprachen übersetzte »Das Ende des Kapitalismus«. |
In einem Interview sagte sie auf die Frage, die man ihr als Wirtschaftsexpertin mit ganz neuen Blick auf die Gegenwart ganz grundsätzlich stellte, ob sich Kriege lohnen, wer profitiert oder ob die Konflikte alle arm mach: "Kriege machen immer arm. Denn es wird ja nichts Bleibendes produziert – nur zerstört. Noch schlimmer: Wenn ein Land erst einmal auf eine Kriegswirtschaft umgestellt hat, kann es nicht mehr zurück. Das ist gerade die Lage in Russland: Putin wird Krieg führen, solange er an der Macht ist." Die zweite Frage lautete"Kann die Wirtschaft darüber bestimmen, ob Kriege begonnen oder beendet werden?", darauf Herrmann: "Die USA haben die Macht des Dollars genutzt, um Kriege zu beenden und Frieden zu erzwingen. Umgekehrt werden Kriege oft angefangen, um von ökonomischen Schwierigkeiten abzulenken. Diese Gefahr droht gerade in China: Es ist zwar „Exportweltmeister“, aber trotzdem in einer schweren Krise. Die offiziellen Wachstumszahlen sind gelogen." Was würde das für einen chinesischen Überfall aus Taiwan bedeuten? "Es wäre eine globale Katastrophe, weil zentrale Lieferketten zusammenbrechen würden. Durch die Meeresenge zwischen Taiwan und China werden mehr als die Hälfte des weltweiten Containerhandels abgewickelt. Zudem ist Taiwan der wichtigste Lieferant von Computerchips. Außerdem würde China seine Wirtschaftsmacht als Waffe nutzen – und keine Antibiotika oder seltenen Erden mehr liefern, um den Westen unter Druck zu setzen. Jeder in Europa würde einen Krieg zwischen Taiwan und China spüren." |
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(c) Magazin Frankfurt, 2026
