Händel und die Schamanin

Rekonstruktion der Schamanin von Bad Dürrenberg

© Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Karol Schauer

17. April 2026 - „Mannsbilder – Helden, Herrscher, Herzensbrecher“, so lautet das Motto der diesjährigen Händel-Festspiele in der Geburtsstadt des großen Barock-Komponisten. Vom 5. bis 14. Juni 2026 feiert die Stadt das Werk seines berühmten Sohnes Georg Friedrich Händel. Unter der neuen Intendanz von Florian Amort setzt das Festival auf eine Mischung aus Tradition und moderner Reflexion. Dabei gibt es einige musikalische und szenische Highlights zu entdecken, wie die Eröffnungsoper „Rinaldo“, die als glanzvoller Auftakt Händels Londoner Debüt in einer Neuinszenierung von Walter Sutcliffe an der Oper Halle zeigt. Aber auch im nahen Bad Lauchstädt, wo einst Johann Wolfgang Goethe die Geschicke des Theaters bestimmte, entfaltet sich Händels barocke Vielfalt: Im historischen Goethe-Theater haben die Organisatoren einen ganz besonderen Rahmen für gleich drei der Opern Händels "Rinaldo", "Ariodante" und "Giustino" . Nur kommen sie dort als Marionetten des Mailänder Puppentheaters Carlo Colla e Filgi auf die Bühne, musikalisch präsentiert von der großartigen lautten compagney BERLIN.

Die Gäste erwartet internationale Starbesetzung, denn auf dem Programm stehen renommierte Künstler wie Bruno de Sá, Valer Sabadus und Reginald Mobley und Spitzenensembles wie das La Cetra Barockorchester Basel unter Andrea Marcon. Cross-Over ist für den 6. Juni geplant, wenn „Palette meets Die Oper“. Dann verschmelzen Hochkultur und Clubszene bei einer Open-Air-Party auf dem Opernplatz, die später im Foyer fortgesetzt wird. Das bereits genannte Motto „Mannsbilder“ dekonstruiert historische und moderne Männlichkeitsvorstellungen und schlägt eine Brücke von Händels Helden zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen.

Wenn Sie es schaffen, Halle einen Besuch abzustatten, sollten Sie allerdings unbedingt auch andere sensationelle Einblicke gewinnen, die Ihnen in der Ausstellung „Die Schamanin“ im Landesmuseum für Vorgeschichte geboten werden. Die bereits im März eröffnete Ausstellung läuft noch bis zum 1. November 2026. In der großen Sonderausstellung ist einer der bedeutendsten archäologischen Funde Mitteleuropas zu sehen: die Schamanin von Bad Dürrenberg. Darin präsentiert das Museum die neusten Forschungsergebnisse der vor rund 9.000 Jahre bestatteten Schamanin und beleuchtet dabei die sensationellen neuen Erkenntnisse, die durch moderne Methoden und Nachgrabungen im Jahr 2019 gewonnen wurden.

Die Ausstellung geht den Ursprüngen des Schamanismus nach. Der Name Schamane oder Schamanin stammt ursprünglich von den tungusischen Völkern und bedeutet so etwas wie „jemand, der weiß“. Man gab den Titel besonderen Wissensträgern. Waren es ursprünglich nur spirituelle Spezialisten sibirischer und zentralasiatischer Ethnien, hat sich das Bild im Lauf der Zeit gewandelt. Als dynamische Phase gilt das Mesolithikum, also die mittlere Steinzeit als sich eine kultureller Entwicklung abzeichnete, die weit mehr ist als nur ein Übergang zwischen Eiszeit und Ackerbau.

Begleitende Filme und eine visuell starke Inszenierung machen die Lebenswelt der „mächtigen Frau“ greifbar. Damit bietet Halle im Juni 2026 somit die seltene Gelegenheit, innerhalb weniger Tage die spirituellen Wurzeln der Menschheit zu erkunden und die musikalische Genialität des Barocks in einer modernen Stadt zu erleben. Ein exzellenter Katalog aus dem Hirmer-Verlag erleichtert Interessierten den Einstieg in die Welt der Schamanin.

(c) Michael Ritter

(c) Magazin Frankfurt, 2026