Das war nicht immer so. 1777 hatte man dort im Meer einen Austernpark angelegt, angeblich für Königin Marie-Antoinette. Eigentlich stammten diese Zuchtaustern aus dem bretonischen Cancale, von wo man Abermillionen nach Étretat brachte, wo sie abwechselnd in Salz- und Süßwasser badeten, um – wie die Bélon-Austern - einen feineren Geschmack zu erzielen, bevor sie nach Paris an den Hof der Bourbonen ausgeliefert wurden. Das Ende von Marie-Antoinette und ihrer Familie auf der Guillotine beendete die Zucht.
Erste Gäste kamen schon im 18. Jahrhundert in das damalige Fischerdorf, doch spätestens als es im darauffolgenden Jahrhundert einen Anschluss an das Bahnnetz bekam und Künstler die eindrucksvollen Felsen der Küste in Skizzen und auf Gemälden festhielten, kam es zu einem Run auf den kleinen Ort.
Es ist nicht der einzige Ort entlang der normannischen Küste, der Besucher anzog und einige von ihnen dazu brachte, sich dort längere Zeit niederzulassen. Auch Deauville an der Blumenküste, das Charles de Morny, ein Halbbruder Napoleon III. als „Königreich der Eleganz“ dem Sumpf abrang, Cabourg und das am anderen Ufer der Seinemündung gelegene Honfleur waren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beliebte Ziele, die nicht nur den Kaiser und seinen Hofstaat, sondern auch andere vermögende Touristen und zahlreiche Künstler anlockten und seit dieser Zeit vom Tourismus profitieren.
Doch gerade Étretat haben die Macher des Städel-Museums in Kooperation mit dem Musée des Beaux-Arts de Lyon ausgewählt, um die Kreideküste des normannischen Pays de Caux zu präsentieren. Durch das zum Meer steil abfallende Kreideplateau hat es einen anderen Charakter als die Orte südlich der Seinemündung. Der Grund war die Vorliebe Monets für den Ort und die eigenen Werke Monets, die beide Museen in ihrem Bestand haben. Jetzt können Besucher in Frankfurt bis zum 5. Juli 2026 die beeindruckende Sonderausstellung besuchen. Die Ausstellung beleuchtet die Faszination des französischen Fischerdorfs für Künstler des 19. Jahrhunderts und untersucht Monets Einfluss auf die Entwicklung des Impressionismus.
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Étretat spielte dabei eine bedeutende Rolle. Das Interesse der Künstler galt den Klippen, die als aufregend schön und bedrohlich zugleich wahrgenommen wurde. Maler machten den abgelegenen Ort durch ihre Werke über die Grenzen Frankreichs hinaus berühmt uns sorgten ab 1850 für die Entwicklung zum beliebten Seebad für das Pariser Bürgertum: Courbet malte hier seine berühmten Wellenbilder, Maupassant machte den Ort literarisch zum Sehnsuchtsort und Leblancs Gentleman-Gauner Arsène Lupin hortete dort seine Kunstschätze. Auch der aufstrebende Claude Monet war von der Steilküste mit ihren drei Felsentoren – der Porte d’Amont, der Porte d’Aval und der Manneporte – fasziniert und widmete ihr etliche Gemälde, bei denen er stets das sich ändernde Licht und Wetter darstellte - eine Arbeitsweise, die sich später zu seinem Markenzeichen wurde.
Neben Werken Monets vereint die Ausstellung Arbeiten von Delacroix, Courbet und Matisse und vieler anderer für die Entwicklung wichtiger Künstler von Schirmer und Le Poittevin über Corot und Boudin bis hin zu Esser. So zeigt sich die bis heute anhaltende Faszination dieses Ortes. Auch die Staatlichen Museen zu Berlin, das Fitzwilliam Museum in Cambridge, das Metropolitan Museum of Art in New York, die National Gallery of Canada in Ottawa sowie dem Musée d’Orsay in Paris schickten wichtige Leihgaben.
(c) Nilgün Burgucu
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