Wandern und Genießen - der Wernerwald
Wandern im Wernerwald
Zwischen Küstenwald und Sterneküche: Ein perfekter Tag in Cuxhaven |
Nur wenige Nadelbaumarten, unter ihnen insbesondere die Schwarzkiefer, konnten den extremen Bedingungen trotzen. Heute erstreckt sich ein dichter, robuster Wald, der Wind und Wetter getrotzt hat. |
Tour mit der Cux-Deern
Kulinarische Exzellenz im Badhotel Sternhagen |
Gesamterlebnis mit hanseatischem Charme |
Der Stand in Duhnen
Welch eine Erholung nach dem schweißtreibenden Rundgang durch das alte Cuxhaven bietet ein Ausflug in den benachbarten Ortsteil Duhnen. Ferienwohnungen, Pensionen und Hotels liegen meist nur ein paar Meter vom Strand entfernt. Die 30 Meter hohe Kugelbake markiert den nördlichsten Punkt des niedersächsischen Festlands. Das Strandhaus Döse ist für Urlauber mit Kindern eine beliebte Anlaufstelle denn neben erfrischenden Eisbechern lockt dort auch der Spielplatz mit dem Wikingerschiff. Gerade mit Kleinkindern ist der Strandabschnitt ideal, denn auch bei Flut senkt er sich nur lang gemächlich zum Wattenmeer. Bei Ebbe ist hier ein beliebter Einstieg in eine kleine Wattwanderung. Mit ihren 11.500 Quadratkilometern ist die 500 km lange und bis zu 40 km breite Landschaft zwischen dem dänischen Skallingen im Nordosten und dem niederländischen Den Helder im Südwesten durch den bei Niedrigwasser freiliegenden Wattboden das größte Wattenmeer der Welt. Zweimal am Tag überflutet das Hochwasser das Watt, um dann bei Niedrigwasser wieder trocken zu fallen, wie man das im Fachdeutsch nennt. Läuft es hier beim Strand von Duhnen meist schnell auf der Fläche ab, sorgen an anderer Stelle tiefe Ströme, die sogenannten Priele, wie Arterien für den Ab- und Zufluss. Da der zeitliche Abstand zwischen Hoch- und Niedrigwasser etwas mehr als sechs Stunden beträgt, gibt es im Laufe des Jahres immer wieder eine zeitliche Verschiebung, die man im Gezeitenkalender einträgt, nach der sich fast alle Fährverbindungen und Aktivitäten ausrichten. Sehr alt ist das Wattenmeer noch nicht. Als es sich vor rund 7.500 Jahren bildete, wurde es schnell zu einem der Orte mit der weltweit höchsten Primärproduktionsrate, was Vögel und Fische als Rastplatz und Nahrungsquelle anlockte. Seit 2009 ist es UNESCO Weltnaturerbe, doch schon seit den 1970er Jahren steht es fast gänzlich unter Naturschutz, was zur Gründung des Nationalparks Wattenmeer führte, der als gelungenes Projekt für die Koexistenz von Mensch und Natur gilt. |
Nicht ganz unproblematisch erweist sich gerade hier vor Ort die Mündung der Elbe. Man bezeichnet sie gern als Ästuar, da Gezeiten und Meersalz die Uferzone prägen. Neben reinem Süß- oder Salzwasser dominiert zwischen Geesthacht und Cuxhaven das Brackwasser, eine Mischung aus beiden. Hier leben besondere, genau an diese Verhältnisse angepasste Tier- und Pflanzenarten. |
Die Small Five des Wattenmeers
Gabi kennt sich aus im Watt, auch wenn sie die Wattführungen erst seit ein paar Jahren anbietet. Den Spaziergang durch die Fauna des Wattenmeers widmet sie den „Small Five“. Man orientiert sich dabei an den großen afrikanischen Vorbildern Elefant, Löwe, Nashorn, Büffel und Leopard – nur sind die vorgestellten Wildtiere deutlich kleiner. Trotzdem bringen sie uns zum Staunen, wenn man etwas genauer hinschaut. Angepasst an Flut und Ebbe ertragen sie Salzwasser und Regenschauer, Frost und die sommerlich erbarmungslos herabknallende Sonne. Nicht leicht, sich der Armada hungriger Fressfeinde zu widersetzen. Immer wieder zeigt Gabi Tiere, die den Kampf nicht überlebt haben. |
Die No. 3, die Gemeine Strandkrabbe, ist mit ihren bis zu 10 cm Größe ein echter Kämpfer. Beide Scheren der von einem harten Panzer geschützten Krabbe haben eine unterschiedliche Größe. Am Strand sind sie fast nicht zu übersehen, denn sie sind beliebte Beute der Seemöwen. Nicht alle überleben die Luftangriffe. Zwar kann man sie auch an ihrem Körperbau auseinanderhalten, aber Gabi zeigt uns an einem ausgebuddelten Exemplar, dass es sich um ein Männchen handelt. Beim Angriff von oben streckt es dem Angreifer die Scheren entgegen. Weibchen, sagt Gabi, schützen bei einem Angriff eher die Brut und halten sich die harten Scheren vor den Unterleib. Mit ihrem harten Panzer müssen sie sich immer wieder häuten. Der alte Panzer platzt auf. Die Krabbe pumpt sich mit Wasser auf und dehnt so den bereits darunterliegenden neuen Panzer. Der ist noch weich und braucht ein paar Tage zum Aushärten. In dieser Zeit ist sie empfindlicher gegenüber Attacken. Wenn sie freigespült wird, buddelt sie sich wie die Herzmuschel schnell wieder ein. |
Sterneküche im Badhotel Sternhagen
Als nächstes Ziel steht Niedersachsen einziges 5-Sterne-Superior-Hotel auf dem Programm: das Badhotel Sternhagen, in dem uns die sympathische Hotelchefin Susan Cantauw mit eisgekühlten Handtüchern, die uns die sonnige Wattwanderung schnell vergessen lassen, empfängt. Der Ortsteil Duhnen ist eines der Zentren des Fremdenverkehrs und das gediegene Hotel bietet Gästen neben einem Wellness-Ambiente vom Feisten, Thallasso-Therapie im Spa auch das sternegekrönte Gourmet-Restaurant Sterneck, das mit wundervollen Panoramablick auf das Wattenmeer und einer erstklassigen Küche punktet. Die auch vom renommierten US-Wine Spectator ausgezeichnete Weinkarte mit ihren 550 Positionen wird von Sommelière und Restaurantleiterin Anika Nührenberg ebenso gepflegt, wie die dazugehörenden 15.000 Flaschen im Weinkeller, den sie mit viel Herzblut auf dem neusten Stand hält. Die Lektüre der Karte macht Spaß, denn die Auswahl ist sehr gekonnt aus 15 wichtigen Weinländern zusammengestellt und die Preise sind für die Klasse der Gastronomie ausgesprochen fair kalkuliert. Natürlich finden sich dort einige der ganz großen Gewächse aus Frankreich, doch die erfahrene Fachfrau achtet stärker auf hohe Qualität als auf Namen. |
Eine der Pflanzen, die hinter dem Deich gedeihen, ist der Queller, der auch Salicornia oder Seespargel genannt wird und sowohl im Watt wie auf den Salzwiesen der Küste wächst. Salaten verleiht er eine knackig-salzige Note. Leider ist Marc Rennhack während meines Besuchs im verdienten Urlaub. Der schon seit Jahren mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Küchenchef ist ein Freund der Leckereien des Meeres und serviert seinen Gästen gerne dessen Bewohner wie irische Austern, Jakobsmuscheln, Rauchaal oder Dorumer Krabben. Der 50-jährige Westfale hat früher unter anderem im Frankfurter Main Tower, bei Steinheuer an der Ahr und bei Amador erst in Aschaffenburg und später in Bukarest gearbeitet, bevor er 2012 die Küche des Gourmetrestaurants übernahm. Doch auch bei Thomas Hildebrandt, der für das auch externen Gästen offenstehende benachbarte Hotelrestaurant Schaarhörn zuständig ist, sind wir in sehr guten Händen. Meist sind es naturfrische biologisch angebaute Zutaten, die er von Hand für seine klassische und regionale Küche verarbeitet, die von ausgesuchten Höfen und Erzeugern der Region stammen. |
Beliebt bei Radlern das Melkhus
Am nächsten Morgen geht es nach einem ausgiebigen Frühstück mit traumhafter Aussicht auf die Nordsee ins nahe Cappel zu Bianca Holst und ihrem Melkhus. Dabei habe ich natürlich gedacht, dass ich auf einem Bauernhof mit Kühnen und anderem Getier lande, doch weit gefehlt. Zwar gibt es dort auch Milch und diverse Milchprodukte, doch die kommen von der befreundeten Molkerei Hasenfleet und nicht von eigenen Tieren. Die kleine Molkerei hat schnell gelernt, dass bei dem harten Wettbewerb auf dem umkämpften Milchmarkt nur mit individueller Qualität gepunktet werden kann. Als Bianca vor einigen Jahren ihre „Milchbar“ eröffnete, hatte sie vermutlich nicht erwartet, wie gerne es von Fahrradtouristen und Einheimischen besuchen. Inzwischen gibt es neben ihrem Melkhus eröffnet. Damit erhöht sich die Zahl der einst deutlich mehr verbreiteten Melkhüs im Cuxland wieder auf sechs.
Die Nordseekrabben
Eine andere kulinarische Spezialität der Küstenregion sind die Nordseekrabben, von denen schon vor knapp 2000 Jahren Plinius berichtete, denn die Fischerei entlang der Tiede-Zonen der Küste hat eine lange Tradition und gilt als die älteste Form der Seefischerei. Wie Kaviar waren Krabben früher ein Arme-Leute-Essen, erfreuten sich aber bei den Küstenbewohnern großer Beliebtheit, denn es sorgte für die wichtige Eiweißzufuhr. Die Krabben fanden meist als Dünger oder Viehfutter Verwendung. Das hat sich erst viel später geändert, als die Menschen merkten, dass sie nach dem Kochen gut essbar waren. |
Frauke Fitters Vater Alwin Kocken von der Wurster Nordseeküste hatte deshalb in den 70er- und 80er Jahren eine Schälmaschine konstruiert, die durch Druckluft den mit Vakuum in der Maschine fixierten Krabben das Fleisch ausbläst. Letztendlich hat sich seine Erfindung nicht durchsetzen können, da bei der Maschine nur ein Viertel Fleisch überbleibt, ein Drittel weniger als bei Handarbeit. Zwar kann man die Panzer zum Teil noch für Fonds und Suppen weiterverarbeiten, aber in Zeiten hoher Krabbenpreise ist der reduzierte Ertrag ein Ausschlussgrund. Vielleicht hat Kocken auch zu wenig für das Marketing getan. |
(c) Magazin Frankfurt, 2026







