Han, Unmöglicher Abschied

Han, Unmöglicher Abschied

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Es ist gerade eine Woche her, dass Han Kang bei der offiziellen Zeremonie in Stockholm den Literaturnobelpreise aus den Händen des schwedischen Königs überreicht bekam. Die südkoreanische Schriftstellerin entgegnete in ihrer Dankesrede: "Der Moment, in dem ich realisiere, dass die Sprache der Faden ist, der uns einander nahe bringt und dass meine Fragen die Ladung sind, die den Faden zum Leuchten bringen und so die Verbindung schaffen, erfüllt mich mit Dankbarkeit. Ich danke von Herzen allen, die mit diesem Faden verbunden sind und sich auch weiterhin mit ihm verbinden werden."

Die 54-jährige Tochter des Schriftstellers Han Seung-won aus Gwangju wuchs den größten Teil ihrer Jugend in Seoul au, wo sie an der Yonsei University Koreanische Literatur studierte und 1993 ihren Abschluss machte. Nach Gedichten für die Zeitschrift „Literatur und Gesellschaft“ widmete sie sich bald der Prosa und gewann bereits 1994 mit der Kurzgeschichte Rotes Segel den Literaturpreis der Zeitung Seoul Shinmun. Es folgten weitere literarische Werke und Kurzgeschichten. Mit ihrer ersten Kurzgeschichtensammlung Liebe in Yŏsu etablierte sie sich als aufstrebende Autorin in der südkoreanischen Literaturszene. Schon die frühen Werke spielten um Transformation und Identität, was auch in ihren späteren international bekannten Werken wie Die Vegetarierin eine zentrale Rolle spiele. 1999 gewann sie den Preis für den besten koreanischen Roman, 2000 den „Preis für junge Künstler von heute“ und 2005 der Yi-Sang- Literaturpreis.

Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit arbeitete sie als Journalistin für diverse Zeitschriften. Ihr Roman Die Vegetarierin wurde 2010 verfilmt, der Kurzroman Baby Buddha diente als Grundlage für den Film Scar.

Nach Lehrtätigkeit am Seoul Institute of the Arts arbeitet sie seit 2018 als freie Schriftstellerin. Nachdem ihr Debütroman Die Vegetarierin ins Englische übersetzt wurde, bekam sie dafür 2016 zusammen mit ihrer Übersetzerin Deborah Smith den renommierten Man Booker International Prize. Der Roman erschien 2016 unter auch auf Deutsch. Die Jury des Nobelpreiskommitees begründete den Preis mit ihrer intensiven Prosa, die sich historischen Traumata stellt und die Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens aufzeigt. Es war das erste Mal. dass der Literaturnobelpreis nach Südkorea vergeben wurde.

Eines Morgens ruft Inseon ihre Freundin Gyeongha zu sich ins Krankenhaus von Seoul. Sie hatte einen Unfall und bittet Gyeongha, ihr Zuhause auf der Insel Jeju aufzusuchen, weil ihr kleiner weißer Vogel sterben wird, wenn ihn niemand füttert. Als Gyeongha auf der Insel ankommt, bricht ein Schneesturm herein. Der Weg zu Inseons Haus wird zu einem Überlebenskampf gegen die Kälte, die mit jedem Schritt mehr in sie eindringt. Noch ahnt sie nicht, was sie dort erwartet: die verschüttete Geschichte von Inseons Familie, die eng verbunden ist mit einem lang verdrängten Kapitel koreanischer Geschichte. Han Kangs neuer Roman ist eine Hymne an die Freundschaft und das Erinnern, die Geschichte einer tiefen Liebe im Angesicht unsäglicher Gewalt – und eine Feier des Lebens, wie zerbrechlich es auch sein mag.

Han Kang, Unmöglicher Abschied, Hardcover, 315 Seiten, ISBN 978-3351041847, 24 Euro

(c) Magazin Frankfurt, 2026