Kupferberg, Stunden wie Tage

Kupferberg, Stunden wie Tage

(c) Diogenes

Die 1974 in Tel Avis geborene Shelly Kupferberg lebt heute mit ihrer Familie in Berlin und arbeitet neben der Schriftstellerei als Journalistin und Moderatorin. Ihre Großeltern, die aus Deutschland und Österreich stammten flüchteten noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs nach Palästina, wo ihr Vater 1945 und ihre Mutter Maya dann 1949 im neugegründeten Israel zur Welt kamen. Schon kurz nach Shelleys Geburt zogen die Eltern nach West-Berlin, wo sie nach dem Abitur an der Freien Universität Publizistik, Theater- und Musikwissenschaften studierte. Ihr Mann ist der italienische Schlagzeuger und Perkussionist Paolo Eleodori, mit dem sie drei Kinder hat. Schon ihr Erstling ›Isidor‹ war ein Erfolg bei Publikum und Presse, mit dem sie die Geschichte ihres Urgroßonkels aufarbeitete. Auch in "Stunden wie Tage" schreibt sie poetisch, lebendig und sehr einfühlsam über die Lebensgeschichte von Martha, dass es viele Leser ergreift, wenn sie an ihre eigenen Vorfahren denken, die teilweise ein ähnliches Schicksal erlebt haben. Shelly Kupferberg erzählt die berührende und bewegende Familiengeschichte und führt uns anhand der Schicksale diverser Beteiligter die Grauen der Nazizeit vor Augen.

Die Protagonistin Martha hat darin gerade ihre Ausbildung zur Kontoristin abgeschlossen und tritt eine Stelle als Hausbesorgerin in einem Mietshaus in Berlin-Schöneberg an. Sie ahnt nicht, dass sie von nun an dem Haus ein Leben lang verbunden sein wird.

Die neue Aufgabe verlangt der jungen Frau einiges ab, doch mit ihrem resoluten Charme führt sie bald ein strenges Regime über die Hausbewohner, die unterschiedlicher nicht sein könnten: der Nudist Klampkin mit seinem aufmüpfigen Papagei, der feine Herr Hutschenreuter und die alte Putti Levin, nie um ein Wort verlegen. Am liebsten ist Martha jedoch die kleine Tochter des Hausbesitzers Henry Berkowitz. Immer inniger wird die Beziehung zwischen dem Mädchen Liane und der sonst eher spröden Hausbesorgerin, auch dann noch, als sich um sie herum die Zeiten verdunkeln, Hitler an die Macht kommt und ein Krieg ausbricht. Als eine von ihnen in die Fänge des Regimes gerät, steht für die andere die Welt still.

Kupferberg, die bei ›Deutschlandfunk Kultur‹ und ›RBB radio3‹ Sendungen zu Kultur und Gesellschaft moderiert, war mit ihrem neuen Buch in letzter Zeit in verschiedenen Sendungen ihrer Kollegen präsent und schaffte es auch bei uns sofort Interesse zu wecken.

Shelly Kupferberg, Stunden wie Tage, Diogenes, Hardcover, 272 Seiten, ISBN 978-3257073485, 25 Euro

(c) Magazin Frankfurt, 2026