Kisch, Prager Verbrechen
Adler-Olsen, Tote Seelen singen nicht
Es ist immer wieder spannend, wenn man auf dem Gang über die lebhafte Leipziger Buchmesse auf bisher unbekannte Literatur großer Kollegen trifft, denn als solchen kann man Egon Erwin Kisch ohne jeden Widerspruch bezeichnen. Der 1885 in Prag geborene Kisch besuchte dort die Journalistenschule und war dann Lokalreporter für "Bohemia". Nach Fronteinsatz im ersten Weltkrieg ging er 1921 nach Berlin, von wo aus er Reportagereisen in die Sowjetunion, die USA und nach Australien unternahm. Er war ein kritischer Geist und so wundert es nicht, dass er nach dem Reichstagsbrand von der faschitischen Regierung festgenommen und nach Prag abgeschoben wurde. Paris wurde von 1933 bis 1939 seine neue Heimat, dann Spanien und nach Kriegsbeginn erst die USA und später Mexiko, von wo er 1946 nach Prag zurückkehrte und dort 1948 starb. |
Vor der Kulisse Prags erzählt Egon Erwin Kisch in literarisch brillanten Reportagen von kaltblütigen Verbrechen und menschlichen Abgründen. Mal tritt er als investigativer Ermittler in Erscheinung, mal lässt er seine Heldinnen und Schurken zu Wort kommen, dann wieder mischt er sich direkt in das Geschehen ein. In ganz eigener Weise verband er damals journalistische Genauigkeit mit literarischem Stil, noch bevor Truman Capote das Prinzip für sich entdeckte. Rückert beleuchtet, was uns bis heute daran fasziniert – und was sie anders machen würde als der »rasende Reporter«. "Das sind ganz tolle Texte. Interessanterweise war Egon Erwin Kisch auch ein Kriminalreporter. Er ermittelte regelrecht. Und manchmal wandte er dabei Methoden an, die uns heute stark verwundern.sagt die vielfach ausgezeichnete Gerichts- und Kriminalreporterin der ZEIT über ihr Buch. Ihr True-Crime-Podcast ZEIT-Verbrechen gehört seit Jahren zu den beliebtesten und erfolgreichsten deutschen Podcasts und wurde 2020 als »Beste journalistische Leistung« gewürdigt und 2024 als Miniserie verfilmt. |
(c) Magazin Frankfurt, 2026

