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Scheuer plant neue Fahrradspur auf Fernstraßen

Neue Fahrradspur auf niederländischen Fernstraßen

Seit Sommer 2019 haben die Niederländer auf den Fernstraßen eine neue zentrale grüne Fahhradspur eingerichtet. Bundesverkehrsminisster Andreas Scheuer will diese Idee ab dem 1.4.2020 auch auf allen deutschen Fernstraßen einführen.

Andreas Scheuer als Radfahrer

(c) BMVI/CC BY-ND 2.0 - https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/

Im Rahmen einer zweitägigen Reise in die Niederlande besuchte Andreas Scheuer, der deutsche Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, dieser Tage seine niederländische Amtskollegin Cora van Nieuwenhuizen. Scheuer betonte zu Beginn des Treffens den Stellenwert der Niederlande und die enge Verbindung zwischen der Bundesrepublik und dem Nachbarland. Zweck der Reise war es, sich einen Überblick über die Infrastruktur des Nachbarlands zu verschaffen

Besonders angetan war Scheuer dabei offenbar von der Fahrrad-Infrastruktur in den Niederlanden, die einen guten Ruf als Fahrradland besitzen. Wahrscheinlich werde nirgendwo sonst auf der Welt so viel Fahrrad gefahren wie in den Niederlanden, stellte Scheuer fest. Die Infrastruktur des Landes ist auf Fahrradfahrer ausgelegt. Die meisten Straßen haben separate Radwege. Auf Radwanderwegen gelange man sogar an Orte, die mit dem Auto nicht erreichbar sind. Das mache die Niederlande zum Vorbild und zum Lehrstück für Deutschland.

Gut kann man in den Niederlanden von einem Knotenpunkt zum andern radeln. Dazu dient ein gut ausgebautes Radknotenpunkte-System, das sich fast über das ganze Land erstreckt. Die Knoten sind Basis für kurze Fahrradrouten, die man anhand ausgewählter Knotenpunkte zusammenstellen kann. Cora van Nieuwenhuizen hat dabei in diesem Sommer ganz neue Wege beschritten. Um das schnelle Fernradnetz schnell und kostengünstig auszubauen, wurde auf allen Fernstraßen eine zentrale separate grüne Fahrradspur angelegt.

Andreas Scheuer soll von dieser Maßnahme seiner Amtskollegin so begeistert gewesen sein, dass er diese Neuerung ab dem 1. April 2020 auch in Deutschland flächendeckend einführen will. Die CSU sei der Natur und der Umwelt sehr verbunden, verweist Scheuer auf den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. „Die neue Ökoavantgarde sitzt in München“ sagt auch Ferdinand Otto in ZEIT Online. Scheuer sieht sich als Mitglied des Klimakabinetts der Bundesregierung in der Pflicht, umweltfreundliche Verkehrsformen auszubauen. Der Initiative der Niederländer, die Fernstraßen kostengünstig auch dem Fahrradverkehr zu öffnen, kommen ihm da wie gerufen.

Auf die Frage an Andreas Scheuer, ob nicht separate Fahrradwege, wie man sie ebenfalls in den Niederlanden findet, nicht die bessere Lösung seien, verweist der Minister auf sein Budget. Bei der heutigen Verkehrsinfrastruktur zusätzliche Fahrradwege anzulegen, scheitere aus Kostengründen. Der für einen Ausbau denkbare Raum sei ja bereits durch Straßen oder Bahnanlagen belegt. Die zusätzlich benötigte Fläche sei in privater Hand. Ein Kauf sei zu kostspielig und unwirtschaftlich. Außerdem seien dem Bund durch Zusagen für andere Großprojekte wie den Flughafen BER, Stuttgart 21 und den Fehmarnbelt Tunnel finanziell die Hände gebunden. Mehr ginge da wirklich nicht, soll Scheuer mit einem Lächeln gesagt haben.

Sein Ministerium sieht die zentrale grüne Fahrradspur auf den Fernstraßen als eine kostengünstige Lösung, da keine zusätzlichen Bauten errichtet werden müssen. Dadurch seien sie sehr viel schneller zu verwirklichen. Scheuer sieht sich damit als Vorreiter im Klimakabinett. Natürlich stehe die grüne Fahrradspur auch den Fahrern von E-Scootern zur Verfügung. Auch andere Vorteile erkennt das Ministerium: Wenn keine Fahrräder unterwegs sind, könne die grüne Fahrradspur auch zum Überholen für den Autoverkehr genutzt werden. So seien alle zufrieden.

Widerstände befürchtet Scheuer nicht. Um Planung und Genehmigung für große Verkehrsprojekte, die sich sonst oft über Jahre hinziehen zu beschleunigen, will er in diesen Tagen im Bundestag ein Genehmigungsbeschleunigungsgesetz einbringen, das Umweltverbände und Bürger in ihrem Recht beschneidet, vor dem Verwaltungsgericht zu klagen.

© Magazin Frankfurt/Sabine Sommer

Scheuer Andreas 2017 by Studio Weichselbaumer.jpg
Von Fotograf Studio Weichselbaumer, CC BY-SA 3.0, Link

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