Mozart, Requiem, Chorwerk Ruhr

Bei kaum einem anderen großen Werk der Musikgeschichte gibt es so viele Geheimnisse um seine Entstehung wie bei Mozarts Requiem: Vom ominösen maskierten Auftraggeber über die immer wieder geäußerte Kritik an der Vervollständigung des Fragments durch den Mozart-Schüler Süßmayr, die sich dennoch als gängige Fassung im Konzertleben etabliert hat, bis hin zur Spekulation, dass der Komponist gewusst habe, seine eigene Totenmesse zu schreiben.

Die Quellenlage ist unübersichtlich, neben Süßmayr waren noch weitere „Vervollständiger“ am Werk, das Mozarts Witwe Constanze als alleiniges Wek ihres Gatten veröffentlichen wollte. Einige Mozart-untypische stilistische Brüche in der heute in der Regel gespielten Komposit-Fassung verstärken die Zweifel.

Nach gründlichem Quellenstudium und vergleichenden Stilanalysen legte der Kölner Komponist Michael Ostrzyga 2018 im Auftrag der Harvard Univerity eine behutsam korrigierte Fassung vor, mit der er den „für November/Dezember 1791 wahrscheinlichsten kompositorischen Lösungen“, die Mozart wohl gewählt hätte, näherkommt.

Ergänzt wird das Album durch das „Libera Me“ des Wiener Dirigenten Ignaz von Seyfried, der ein Klavierschüler Mozarts war, dass dieser als Erweiterung zu Mozarts Requiem zur Beerdigung von Ludwig van Beethoven geschrieben hatte. Es gehört nicht zu den liturgischen Texten der Missa pro defunctis, greift aber Themen aus Mozarts Werk auf. Die vorliegende Einspielung präsentiert erstmals die originale, beim Begräbnis Beethovens aufgeführte Version und kann als Huldigung an das Beethovenjahr 2020 verstanden werden. CHORWERK RUHR präsentiert mit Concerto Köln eine erste Referenzeinspielung.

CHORWERK RUHR, die zu einer der tragenden Säulen der Kultur Ruhr GmbH wurden, feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Die außerordentliche Qualität des Chores erlaubt ihm, den speziellen Anforderungen solistischer Besetzungen ebenso gerecht zu werden wie eine perfekte Verschmelzung des Ensembles im Chorklang zu erreichen. Das stellt der Klangkörper in seinem breiten Repertoire von Alter Musik bis zur Gegenwart unter Beweis. Seit 2011 steht Florian Helgath dem Chor als Künstlerischer Leiter vor. Mit ihm hat sich der musikalische Schwerpunkt auf Zeitgenössische Musik verlagert. Das dokumentieren zahlreiche Kompositionsaufträge und Uraufführungen renommierter zeitgenössischer Komponisten, die in enger Kooperation mit Partnern des realisiert wurden, wie in diesem Fall mit dem Concerto Köln, mit dem der Chor eine lang gewachsene künstlerische Beziehung hat. Gesellschafter und öffentliche Förderer von CHORWERK RUHR sind das Land Nordrhein-Westfalen sowie der Regionalverband Ruhr.

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)

Requiem in d-Moll, 1791
(Vervollständigung von Michael Ostrzyga, 2017/2018)

Ignaz von Seyfried (1776-1841)

Libera Me für Männerchor a cappella (1827)

Gabriela Scherer, Sopran
Anke Vondung, Alt
Tilman Lichdi, Tenor
Tobias Berndt, Bass

CHORWERK RUHR
Concerto Köln

Florian Helgath, Dirigent

Wolfgang Amadeus Mozart, Requiem, Completion by Michael Ostrzyga, Coviello Classics/Note1 Muskvertrieb , CD, 51 Minuten, ASIN B0882PB5VQ, 19,13 Euro

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(c) Magazin Frankfurt, 2024