Gigon/Stauffer, Symbiosen beobachten

Gigon/Stauffer, Symbiosen beobachten

(c9 Haupt Verlag

Symbiose sind das Zusammenleben von Individuen verschiedener Arten zum gegenseitigen Nutzen oder auch in gegenseitiger Abhängigkeit. So etwas findet auch bei uns im Körper statt, wo es als komplexes und wichtiges System das menschliche Wohlbefinden und die Gesundheit unterstützt, wenn unterschiedliche menschliche Zellen und verschiedenen Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze, die als Mikrobiota bezeichnet werden, zusammenleben. Auch die Psychologie hat dieses "Zusammenleben", denn das bedeutet es aus dem Altgriechischen übersetzt, in ihren Wortschatz übernommen und beschreibt damit bestimmte Formen von Abhängigkeit.

In der Tier- und Pflanzenwelt treten Symbiosen auf zwischen verschiedenartigen Tieren, verschiedenartigen Pflanzen, Pflanzen und Tieren, Pflanzen und Bakterien. Im weiteren Sinne hat der Botaniker und Mykologe Anton de Bary es im 19. Jahrhundert als „das Zusammenleben ungleicher Organismen“ beschrieben. Danach sind sowohl „Nützlinge” wie „Schädlinge" eines Organismus „Symbionten". Ungewöhnlich ist es nicht, denn wie der Mensch lebt jeder Organismus unter natürlichen Bedingungen stets in Symbiose mit anderen Organismen. Die Grenze zwischen „Nützling" und „Schädling" ist oft fließend und meist kann man die Symbiose als eine Win-Win-Situation bezeichnen. Generell kann man sagen, dass bei einer Symbiose mindestens zwei Organismen bestimmte Lebensbereiche kurzfristig oder dauerhaft teilen. Das kann eine lockere, regelmäßige oder aber eine für beide Organismen lebensnotwendige Beziehung sein. Unterscheiden sich die Lebewesen erheblich in der Größe, spricht man vom Wirt und dem Symbionten.

In dem neuen Band geben zwei Schweizer Kenner dieser Symbiosen den Naturfreunden einen reich bebilderten Feldführer an die Hand, der die Vielfalt und die Komplexität der Symbiosen in neun unterschiedlichen, leicht für den Laien mit dem bloßen Auge, der Lupe oder den eigenen Sinnen zu erkundenden mitteleuropäischen Ökosystemen schildert und das Zusammenleben unterschiedlicher Tier- und Pflanzenarten beleuchtet.

Dabei geben sie dem Leser Hilfsmittel und Hinweise, um Symbiosen optimal beobachten zu können. Je ein Kapitel widmet sich in dem Buch der Stadt, dem Wald, der Hecke und dem Krautsaum, der Fett-, Mager- und Feuchtwiese. dem alpinen Rasen, dem Acker und dem Seeufer. Für jedes dieser Ökosysteme beschreiben sie die Symbiosen und stellen diese mit Bildern und kurzen Texten vor. Bei der Lektüre und bei der anschließenden Feldtour wird man sicherlich oft staunen, was es zu beobachten gibt, wenn zum Beispiel Insekten die Blüten bestäuben, Tier die Samen verteilen oder Pflanzen für Tiere als Schlafstätte oder Versteck dienen. So findet jeder Naturfreund passende Anregungen für eigene Erkundungen.

Andreas Gigon und Felix Stauffer haben diese Symbiosen genau erkundet. Der 81-jährige Gigon lange Jahre erst Dozent und später Professor für Pflanzenökologie und Naturschutzbiologie an der ETH Zürich und hat an entscheidender Stelle an der Entwicklung des Naturschutzinstruments der «Blauen Listen der bedrohten Tier- und Pflanzenarten, die erfolgreich gefördert werden konnten» mitgearbeitet und war Gründungsmitglied des interdisziplinären ETH-Studiengangs Umweltnaturwissenschaften. Sein Coautor Felix Stauffer war Gymnasiallehrer für Biologie im Kanton Zürich und arbeitet im Bereich der Schnittstelle Gymnasium-Hochschule.

Andreas Gigon/Felix Stauffer, Symbiosen beobachten: Feldführer für unsere Wälder, Wiesen, Äcker, Seeufer und Stadtnatur, Haupt Verlag, Broschur, 208 Seiten, ISBN 978-3258083629, 28 Euro

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(c) Magazin Frankfurt, 2024