300 Jahre Riesling - Schloss Johannisberg

300 Jahre Riesling - eine lange Tradition

Mancher Weinfreund kennt „Karl, der Spätlesereiter“, eine Figur, die sich der Zeichner Michael Apitz zusammen mit den Autoren Eberhard und Patrick Kunkel schon vor mehr als 30 Jahren rund um den Weinbau im Rheingau ausgedacht haben. Im ersten Band aus dem Jahr 1988 wurde der tapfere Karl anno 1775 ausgeschickt, um beim Fuldaer Bischof die Erlaubnis zur Weinlese im Klostergut Johannisberg einzuholen. Doch auf dem Weg lauert ihm sein missgünstiger Konkurrent Ferdinand auf, der Karls Reise verzögert. Als er schließlich wieder auf dem Johannisberg eintrifft, ist die Ernte schon in Fäulnis übergegangen. Mit seinem Freund Oskar und seinem Hund Grandpatte keltert er die Trauben dennoch und entdeckt dabei die Spätlese. Mit dem Comic haben viele Comic- und Weinfreunde erstmals gehört, wie die Spätlese aus edelfaulen Trauben zu erstaunlich guten Ergebnissen führt.
Tatsächlich hat man wohl auf Schloss Johannisberg schon seit den 1730er Jahren mit einer teilweise verzögerten Lese experimentiert und das Verfahren peu a peu systematisch ausgebaut. Der Begriff Spätlese ist übrigens erst vor 111 Jahren eingeführt worden.

Doch Schloss Johannisberg hat in seiner rund 1200-jährigen Geschichte um den Weinbau sich schon früher als Pionier einen Namen gemacht. So ist es das erste Riesling-Weingut der Welt und bietet seit genau 300 Jahren beste Riesling-Tradition. Im Jubiläumsjahr möchte das Weingut mit dem ältesten reinen Riesling-Weinberg diesen mit einem bunten Programm in der zweiten Jahreshälfte feiern, wenn hoffentlich wieder Besucher die beliebte Rebsorte und die zahlreichen herausragenden Riesling-Weine des Weinguts vor Ort genießen können.

Die Domäne Schloss Johannisberg blickt auf eine bewegte Geschichte mit einzigartiger Weinkultur zurück: Als Benediktinerkloster um 1100 gegründet, wird die Abtei schnell zum Mittelpunkt und Pionier des Rheingauer Weinbaus, doch schon im 15. Jahrhundert setzte der allmähliche Niedergang des Klosters ein, dass nach diversen Kriegen 1563 aufgelöst wurde. Ein Segen war der Verkauf des berühmten Weinguts 1716 durch den Mainzer Erzbischof an den Fuldaer Fürstabtei Konstantin von Buttlar, der es von Grund auf neu gestaltete und ein weinbauliches Experiment großen Stils plante: die Neubepflanzung aller Weinberge der Domäne mit der bereits seit dem 15. Jahrhundert bekannten Rebsorte Riesling, der zwar als vornehm anerkannt, aber wegen des geringen Ertrags und der späten Reife zuvor nur sehr zögerlich gepflanzt wurde. Rund 300.000 neue Reben wurden damals gesetzt und bildeten 1720 den ersten geschlossenen Riesling-Weinberg der Welt.

Schloss Johannisberg ist eine wahre Schatzkammer des guten Weins. Noch heute lagert in der Bibliotheca Subterranea, dem 900 Jahre alten unterirdischen Abteikeller, der älteste Schloss Johannisberger Riesling aus dem Jahr 1748 und zahlreiche weitere Riesling-Meisterstücke, die von den Kellermeistern der Domäne in den letzten 300 Jahren gekeltert wurden. Darunter auch ein 1920 Schloss Johannisberg Riesling Goldlack, den ein Liebhaber nach einer Versteigerung im letzten Monat im Kloster Eberbach für 18.000 Euro sein Eigen nennen darf.

Doch man braucht nicht unbedingt einen Hundertjährigen. Auch die aktuellen rebsortenreinen Weine von Schloss Johannisberg mit ihrem gebietstypischen, authentischen und individuellen Charakter finden rund um die Welt begeisterte Anhänger und stehen auf den Karten der besten gastronomischen Adressen der Welt. Schade, dass sich Deutschland durch zwei Weltkriege selbst aus der Spitzenposition bei den Weinpreisen geschossen hat. Als ich kürzlich den Bitburger-Erben Roman Niewodniczanski auf seinem neugebauten Saar-Weingut besuchte, zeigte er mir alte amerikanische Weinkarten vom Anfang des letzten Jahrhunderts, auf denen neben den Weinen von Mosel und Saar vor allem der Riesling aus dem Rheingau Preise weit über den teuersten französischen Grand Crus erzielte. Auch heute können die Weine bei internationalen Wettbewerben wieder regelmäßig höchste Ergebnisse und Honorierungen erreichen. 2019 gab es dafür unter anderem die Höchstwertung von 100 Punkten durch James Suckling, der als früherer Europachef des „Wine Spectator“ ein anerkannter Kritiker für Wein ist und die 2018er Schloss Johannisberger Riesling Purpurlack Beerenauslese dieser höchsten Auszeichnung würdig empfand. Im selben Jahr konnte der 2018er Schloss Johannisberger Riesling Grünlack Spätlese die Auszeichnung „Best of Show“ beim internationalen Weinpreis Mundus Vini als bester restsüßer deutscher Riesling einstreichen. Chapeau!

Heute ist das VDP-Weingut schon lange nicht mehr in den Händen der Fuldaer Fürstäbte, doch es sind auch andere große Namen mit ihm verbunden. Mal war es das Haus Nassau-Oranien, mal Napoléon, der es seinem General Kellermann gab. 1811 kam es in die Hände des ehemaligen österreichischen Außenministers Metternich. Die Familie ging schon 1865 eine Partnerschaft mit der Wiesbadener Sektkellerei Söhnlein ein und lieferte den Grundwein für deren Spitzensekt, der noch heute als „Fürst von Metternich“ vom Schloss Johannisberg stammt. Inzwischen ist das Weingut vollständig im Besitz der vor Oetker-Gruppe gehörenden Weinsparte Henkell Freixenet.

Fattoria Le Pupille

(c) Michael Ritter

Die Weine von Schloss Johannisberg

Mit der Tenuta Carretta hat Miroglio ein schon seit 1467 existierendes Weingut gekauft. Älter als seine piemontesischen Mitbewerber, aber noch nicht ganz in der Liga der Topweingüter des Piemonts. Das könnte sich in den kommenden Jahren durchaus ändern, denn Mirolglio hat vor einiger Zeit mit Giovanni Minetti einen gestandenen Weinexperten ins Boot geholt, der zuvor lange Zeit für das inzwischen von Eatitaly-Gründer Oscar Farinetti erworbene piemontesische Vorzeige-Weingut Fontanafredda gearbeitet hatte. Minetti soll das Weingut wieder zu einem der Top-Weingüter des Piemont machen. “Die Weinberge sind das wesentliche Element, denn aus ihnen stammt die Qualität des Weins“ sagt Minetti. Die Voraussetzungen sind exzellent: erstklassige Lagen, ein modernes Weingut und junge, begeisterte Önologen unter Leitung eines der alten Experten. Die Nachfrage nach Spitzenweinen ist da, aber trotz der Steigerung der Produktion in den letzten Jahren ist die Menge der Spitzenweine immer noch überschaubar und rechtfertigt für einige der Winzer Preise von bis zu 1.000 Euro pro Flasche. Da spielt die Tenuta Carretta noch nicht ganz mit, aber bei einer über 500jährigen Geschichte kann man ja etwas warten.

Minetti verweist auch auf das Phänomen der globalen Erwärmung, die sich auch auf den Weinbergen der Tenuta Carretta auswirkt, indem die Reben anderes auf die Sonneneinwirkung reagieren. „Das hat uns zu neuen Einschätzungen geführt, die sich von denen der 2000er Jahre unterscheiden. Einige Hügel, die einst als ungeeignet für die Produktion von Qualitätswein angesehen wurden wurden jetzt neubewertet, weil sie in der Lage sind weniger Stress auf die Trauben auszuüben, eine bessere Balance zwischen Säure und Zuckergehalt zu ermöglichen und eine gute Reifung der Polyphenole und Anthocyane sicherzustellen."

Auf keinen Fall will Minetti mit mehr Masse trumpfen und setzt stattdessen auf Qualität.

„Weinherstellung ist relativ einfach“ sagt Minetti – „aber einen „großen“ Wein herzustellen ist eine Herausforderung, die kostspielig ist und große Aufmerksamkeit auf die Details verlangt“.

Nicht immer macht es einen der spät reifende, autochthone Nebbiolo, der für die Weine aus Barolo und Barbaresco steht, einfach, denn der Wein entwickelt eine markante Säure und die kräftigen Tannine zeigen deutlich, dass es kein Alltagswein ist, sondern etwas für Eingeweihte und Fortgeschrittene, dem man etwas Zeit auf der Flasche geben sollte. Wie kaum ein anderer Wein ist der Nebbiolo auch abhängig vom Terroir. Ihr Name leitet sich vom italienischen Wort für Nebel ab. Obwohl 90 Prozent der Nebbiolo-Reben im Piemont angebaut werden, wundert es nicht, dass man diese Edelrebe auch an anderen Stellen rund um die Welt anpflanzt. Wir sind ihr in Australien begegnet, in Südafrika, Süd- und Nordamerika aber auch in China. Einige der Weine sind durchaus bemerkenswert, andere – auch im Piemont – eher bescheiden, doch sehr selten erreicht sie, auch bei bester Pflege, die Ergebnisse, die man in Barolo und Barbaresco erzielen kann. Doch allein reichen auch diese Orte nicht aus, denn zwar ist die Menge an Wein mit ihren Etiketten ist in den vergangenen Jahren angestiegen, nicht aber die Anzahl der Toplagen, um deren Ausweitung es erbitterten Streit unter den Winzern gegeben hat.

Vor Ende Oktober ist im Piemont auch dann, wenn er auf sonnigen kalkhaltigen Südhängen steht, an eine Lese nicht zu denken, da sonst die Tannine den Wein zu fest umschließen und nicht richtig reif werden. Schon im Frühjahr muss man auf ihn aufpassen, da er früh austreibt und die Frühlingsfröste ihm ebenso zusetzen können, wie der Echte Mehltau.

Poggio Argentato vn Le Pupille

(c) Michael Ritter

(c) Magazin Frankfurt, 2020