Chagall in der Schirn

Chagall in Frankfurt

Marc Chagall, Der Engelssturz, 1923-33-47, Öl auf Leinwand, Kunstmuseum Basel, Depositum aus Privatsammlung, VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Martin P. Bühler

Vor 135 Jahren im weissrussischen Vitebsk geborene und 1985 an der französischen Mittelmeerküste verstorbene Marc Chagall gilt als Poet unter den Künstlern der Moderne. In einer großen Ausstellung beleuchtet die Schirn Kunsthalle eine bislang wenig bekannte Seite seines Schaffens: die Werke der 1930er- und 1940er-Jahre, in denen sich seine farbenfrohe Palette (etwas) verdunkelt, aber immer noch chagallig bleibt, wie der noch junge neue Schirn-Direktor Sebastian Baden betont. Das Werk und Leben des jüdischen Malers wurde maßgeblich durch die Kunstpolitik der Nationalsozialisten und den Holocaust geprägt. Bereits in den frühen 1930er-Jahren thematisierte Chagall in seiner Kunst den immer aggressiver werdenden Antisemitismus und emigrierte 1941 schließlich in die USA. Sein künstlerisches Schaffen in diesen Jahren berührt zentrale Themen wie Identität, Heimat und Exil.

Mit über 100 eindringlichen Gemälden, Papierarbeiten, Fotos und Dokumenten zeichnet die Ausstellung die Suche des Künstlers nach einer Bildsprache im Angesicht von Vertreibung und Verfolgung nach. Sie präsentiert wichtige Werke der 1930er-Jahre, in denen sich Chagall vermehrt mit der jüdischen Lebenswelt beschäftigt, zahlreiche Selbstbildnisse, seine Hinwendung zu allegorischen und biblischen Themen, die bedeutenden Gestaltungen der Ballette „Aleko“ (1942) und „Der Feuervogel“ (1945) im Exil, die wiederkehrende Auseinandersetzung mit seiner Heimatstadt Vitebsk und Hauptwerke wie „Der Engelssturz“ (1923/1933/1947). In der Zusammenschau ermöglicht die Schirn eine neue und äußerst aktuelle Perspektive auf das Œuvre eines der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung erfolgte als Kooperation mit dem norwegischen Henie Onstad Kunstsenter in Oslo.

Chagall in Frankfurt

Marc Chagall, Die Lichter der Hochzeit, 1945, Kunsthaus Zürich, Geschenk Nachlass Ernst Göhner, 1973 / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

(c) Magazin Frankfurt, 2022